Mail an GKV-Spitzenverband

„Gießkanne“ nur für die eigenen Leute?

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Berlin -

Am 23. März will die Apothekerschaft mit bundesweiten Schließungen und zentralen Kundgebungen insbesondere ihrer Forderung nach einer Honoraranpassung Nachdruck verleihen. Auch der Inhaber der Rathaus-Apotheke in Hagen, Dr. Christian Fehske, wird sich beteiligen. Der Protest richte sich laut Fehske nicht gegen die CDU oder Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) – er glaube, dass die Zusagen der Ministerin durchaus ehrlich seien. Kritik übt er jedoch an den Krankenkassen, die an Spitzengehältern für Führungskräfte und jährlichen Tarifrunden für Kassenmitarbeiter festhielten, während bei den Apotheken gespart werden solle.

Als Fehske auf LinkedIn einen Beitrag des GKV-Spitzenverbandes sah – ein Foto der stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden Stefanie Stoff-Ahnis mit der Aufschrift „Apothekenreform: Keine Förderung mit der Gießkanne“ –, schrieb er kurzerhand den Verband an. Er bat um Erlaubnis, den Post am geplanten Protesttag verwenden zu dürfen.

„Ich würde hiermit gern Ihre Zustimmung erbitten, das angehängte Motiv als Poster im Rahmen geplanter Protestmaßnahmen am 23. März gegebenenfalls nutzen zu dürfen. Die (gesetzlich versicherten) Menschen in unserer Stadt könnte interessieren, gegen / für was genau wir demonstrieren. Um das zu erklären, könnte das Zitat Ihrer stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden helfen“, schreibt Fehske.

Viertelmilliarde Euro für Kassenmitarbeiter?

Der Apotheker belässt es aber nicht bei der Anfrage, sondern richtet auch einige Fragen an den Verband, insbesondere mit Verweis auf die laufenden Tarifverhandlungen von Kassenmitarbeitern der AOK: „Ergänzend würde mich, als selbst gesetzlich Versichertem und damit Betroffenem, außerdem interessieren, ob aus Ihrer Sicht der von Ihnen gewählte Vergleich mit der ‚Gießkanne‘ auch im Zusammenhang mit pauschalen Lohnforderungen von 7 Prozent mehr Gehalt für AOK-Beschäftigte angemessen erscheinen könnte, welche Mehrausgaben die Beitragszahler zu erwarten hätten, und ob dafür bereits Gegenfinanzierungsvorschläge vorliegen.“

Schließlich könne man bei einer konservativen Schätzung auf eine Summe von rund einer Viertelmilliarde Euro jährlich allein für die AOK-Mitarbeitenden – einschließlich der Vorstände – kommen, wenn man von „mindestens 350 Euro monatlich“, wie die GdS fordert und 60.018 Beschäftigten ausgehe. Zudem sei die letzte Tariferhöhung bei der AOK von 5,5 Prozent im Februar 2025 weit weniger lang her als die letzte Vergütungsreform bei den Apotheken. „Da die 11 AOKen zusammen nach eigenen Angaben einen Marktanteil von rund 37 Prozent haben, würden Sie die Annahme für fair halten, dass 2026 Tarifanpassungen und damit Personalkostensteigerungen auch bei anderen Krankenkassen im Bereich des Erwartbaren liegen könnten?“, fragt Fehske.

PTA verdienen weniger als AOK-Hausmeister

Die fehlende Honoraranpassung wirke sich natürlich auch auf die Beschäftigten aus und verschärfe den herrschenden Fachkräftemangel. „Sind dem GKV-Spitzenverband die tariflichen Einstiegsgehälter für PKA, PTA und ApothekerInnen in öffentlichen Apotheken bekannt, und halten Sie diese für wettbewerbsfähig – wenn man beispielsweise bei der AOK Niedersachsen ein höheres Hausmeister-Einstiegsgehalt erhalten würde (laut Stellenanzeige 44.200 Euro), als eine PTA derzeit in der höchsten Tarifstufe ab dem 15. Berufsjahr erwarten darf (bei 13 tariflichen Monatsgehältern: ca. 42.500 Euro)?“, kritisiert der Apotheker scharf.

Keine Erlaubnis, keine Antworten

Tatsächlich erhielt Fehske eine Antwort des GKV-Spitzenverbandes – allerdings keine inhaltliche. „Die erbetene Freigabe erteilen wir nicht“, erklärt der Verband. Auch zu den Sachfragen äußerte man sich nicht – mit dem Hinweis, dass es sich nicht um eine Presseanfrage handle: „Ich bitte um Verständnis, dass wir auf Ihre Fragen nicht gesondert eingehen können, da wir als Pressestelle uns auf die Beantwortung von Presseanfragen konzentrieren müssen.“

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