Die Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland (bvmd) und der Bundesverband der Pharmaziestudierenden in Deutschland (BPhD) fordern Offenheit für die Ansätze der Apothekenreform. Die von Bundesgesundheitsministerin Nina Warken auf dem Deutschen Apothekertag 2025 vorgestellten Konzepte sowie der Entwurf zum Apothekenversorgungs-Weiterentwicklungsgesetz (ApoVWG) seien eine wichtige Diskussionsgrundlage. Nach Ansicht der Studierendenverbände bedürfen die im Entwurf skizzierten Ansätze – etwa die Erweiterung der Verschreibungsbefugnisse für Apotheker:innen – einer sachlichen, evidenzbasierten Debatte. Diese müsse die Patient:innensicherheit in den Fokus rücken und eine stärkere Verankerung der interprofessionellen Ausbildung im Medizin- und Pharmaziestudium zum Ziel haben.
Am 17. Dezember vergangenen Jahres hat das Kabinett den Gesetzentwurf zum ApoVWG beschlossen. Die Ankündigung, Apotheken in bestimmten Fällen weitergehende Kompetenzen bei der Abgabe verschreibungspflichtiger Arzneimittel zu übertragen, hatte die Ärzteschaft scharf kritisiert. Die Bundesärztekammer und weitere Ärzteverbände warnten in einem offenen Brief vor einer Aufweichung des „Vier-Augen-Prinzips“, die fehlerhafte Therapien und einen Verlust an Patientensicherheit nach sich ziehen könne.
Die bvmd und der BPhD teilen die Entschiedenheit, mit der die Initiative hier abgewiesen wurde, nicht und wollen stattdessen eine Öffnung der Debatte für eine differenzierte Auseinandersetzung: „Wir fordern einen konstruktiven Diskurs, der auf einer wissenschaftlichen Datengrundlage basiert. Die Zusammenarbeit von Apotheker:innen und Ärzt:innen muss hierbei klar im Fokus stehen. Nur gemeinsam können klare Regelungen und Aufgabenbereiche abgesteckt werden, die zu einer Verbesserung der Versorgung führen“, erklärt Max Moll, Projektleitung für Interprofessionalität von der bvmd.
Aus der Perspektive der nächsten Apotheker- und Ärztgeneration werde die Einseitigkeit, mit der diese Initiative teilweise abgelehnt wurde, weder dem Problem noch dem Lösungsansatz gerecht. Aller teils verständlichen Skepsis gegenüber einzelnen Maßnahmen des Gesetzes zum Trotz fordern bvmd und BPhD für die Zukunft eine Versachlichung und den Einbezug wissenschaftlicher Erkenntnisse zum Thema in die öffentliche Debatte.
Eine große Cochrane-Analyse zeige beispielsweise, dass nicht-ärztliche Fachkräfte, wie Apotheker:innen, und Ärzt:innen bei der medikamentösen Behandlung einiger häufiger Erkrankungen vergleichbare Therapieergebnisse mit ähnlich niedrigen Quoten unerwünschter Nebenwirkungen erzielen können. Außerdem gebe es Berichte aus dem Ausland zu sogenannten „Supplementary Prescribers“, die Informationen für einen differenzierteren Diskurs in Bezug auf den aktuellen Vorschlag liefern.
Der nun vorliegende Gesetzentwurf könnte ein erster Schritt sein, das Gesundheitssystem interprofessioneller zu gestalten. „Nur gemeinsam lässt sich ein Gesundheitssystem gestalten, das auch in Zukunft leistungsfähig, gerecht und patient:innennah bleibt. Entscheidend wird sein, dass dieser Wandel nicht isoliert geschieht, sondern in einem koordinierten, interprofessionellen Rahmen, getragen von klaren rechtlichen Strukturen, sinnvoller Aus- und Weiterbildung und gegenseitigem Vertrauen zwischen den Gesundheitsberufen“, betont Jenny Schönborn, die ehemalige Beauftragte für Gesundheitspolitik des BPhD.
„Die Kompetenzen bestens ausgebildeter Apotheker:innen an dieser Stelle zu nutzen, ist ein Ansatz für mehr dringend benötigte Effizienz im Gesundheitswesen“, stimmt auch Aljoscha Lorentz, Bundeskoordinator für Gesundheitspolitik von der bvmd, zu. Dies würde sich auch positiv auf die weit über dem OECD-Durchschnitt liegende Zahl der Ärzt:innenkontakte in Deutschland auswirken.
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