„Apotheken noch nicht in Notfallpläne integriert“

Kammer fordert Zuschüsse für Notstrom

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Berlin -

Vom großflächigen Stromausfall in Berlin waren auch viele Apotheken betroffen, da sie im Gegensatz zu Krankenhäusern keine flächendeckende Notstromversorgung haben. „Der Vorfall verdeutlicht erneut die Dringlichkeit politischen Handelns, um weitere Apothekenschließungen zu verhindern und die Arzneimittelversorgung der Bevölkerung auch in Krisensituationen dauerhaft sicherzustellen“, erklärt die Apothekerkammer Berlin.

Während des mehrtägigen Blackouts habe die pharmazeutische Versorgung im betroffenen Gebiet nur unter großer Anstrengung aufrechterhalten werden können – dank der noch vorhandenen Apothekendichte: „Möglich war dies vor allem deshalb, weil es dort noch eine ausreichende Zahl an Vor-Ort-Apotheken gibt“, betont die Apothekerkammer.

Zusammenarbeit mit Behörden

Trotz der schwierigen Umstände sei die Zusammenarbeit mit den Behörden positiv verlaufen. Die Kommunikation mit Einrichtungen, wie dem Landesamt für Gesundheit und Soziales (LAGeSo) oder dem Krisenstab, sei in den vergangenen Tagen „konstruktiv und auf Augenhöhe“ erfolgt. Anliegen hätten zügig und im Sinne der Betroffenen geklärt werden können. „Dabei werden nicht nur aktuelle Themen im Zusammenhang mit dem Apothekenbetrieb erörtert, sondern auch gemeinsame Abläufe oder Prozesse kontinuierlich weiterentwickelt und optimiert“, erklärt die Kammer.

Der vertrauensvolle Austausch zwischen Kammer, Senatsverwaltung und LAGeSo solle künftig noch intensiviert werden, um auf mögliche Krisenszenarien besser vorbereitet zu sein. Dabei müsse für die Zukunft auf vielen Ebenen eine Vielzahl komplexer Fragen zu Ressourcen, rechtlichen Rahmenbedingungen und Handlungsbedarfen beantwortet werden.

Dass solche Strukturen funktionieren können, zeige der im konkreten Fall erfolgreich umgesetzte Plan für die Krankenhausversorgung. Für die öffentlichen Apotheken gelte dies jedoch noch nicht: „Wir haben unsere Bereitschaft als Kammer gegenüber den zuständigen Behörden erklärt, an der Gestaltung und Umsetzung einer (pharmazeutischen) Zivil- und Katastrophenschutzplanung mitzuwirken. Nach aktuellem Kenntnisstand der Kammer sind die Apotheken noch nicht in die Notfallpläne integriert“, so die Kritik. Eine konkrete Überlegung sei etwa, ob Apotheken bei der Anschaffung und Wartung von Notstromaggregaten oder Überbrückungsbatterien staatlich unterstützt werden könnten.

Fortbildungen und Materialien

Unabhängig von politischen Entscheidungen werde die Kammer bereits selbst aktiv. Seit mehreren Jahren setze man auf Prävention und biete Fortbildungen zum Thema „Stromausfall in der Apotheke – Wie können wir uns vorbereiten?“ an. Dabei würden nicht nur Blackouts, sondern auch Risiken für die gesamte kritische Infrastruktur beleuchtet. Außerdem stelle man regelmäßig Informationsmaterialien zur Verfügung. Um zudem vom Wissen anderer Berufsgruppen zu profitieren, engagiere sich die Kammer in einer neu eingerichteten Arbeitsgemeinschaft Krisenvorsorge bei der Abda.

Versorgung durch umliegende Gebiete

Das LAGeSo erklärte auf Nachfrage, dass der Versorgungsbedarf während des Blackouts durch Apotheken in den umliegenden Gebieten gedeckt werden könne: „Nach Kenntnis des LAGeSo ist der Apothekenbetrieb in benachbarten Brandenburger Gebieten nicht eingeschränkt. Der Versorgungsbedarf betroffener Bürgerinnen und Bürger kann daher durch Apotheken sowohl in Steglitz als auch zusätzlich in Teltow, Kleinmachnow oder in Potsdam gedeckt werden.“

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