Besonders für ältere und chronisch kranke Menschen können Arzneimitteltherapien zu unerwünschten Neben- oder Wechselwirkungen führen. Das Bundeskabinett hat heute den neuen Aktionsplan zur Verbesserung der Arzneimitteltherapiesicherheit (AMTS) beschlossen. Ziel ist es, die Ursachen von Medikationsfehlern besser zu erforschen und die Patientensicherheit zu stärken; insbesondere steht die Digitalisierung im Vordergrund.
„Innovative Arzneimittel bieten immer mehr Therapiemöglichkeiten für Krankheiten, die vor wenigen Jahren noch kaum zu behandeln waren. Sie ermöglichen in vielen Fällen ein unbeschwertes Leben“, so Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU). Bei gleichzeitiger Einnahme mehrerer Arzneimittel steige jedoch auch das Risiko von unerwünschten Wechsel- und Nebenwirkungen. Schätzungsweise 250.000 Krankenhauseinweisungen resultierten demnach jährlich aus Medikationsfehlern, die in vielen Fällen vermeidbar sind. „Mit dem Aktionsplan wollen wir genau das erreichen – mehr Wissen durch mehr Daten, digitale Lösungen wie dem elektronischem Medikationsplan und mehr Wissen durch die weitere Stärkung des Bewusstseins für die Gefahren, die von Wechsel- und Nebenwirkungen ausgehen können“, so die Ministerin.
Unter anderem soll der Fokus auf der systematischen Entwicklung evidenzbasierter Lösungen zur Verringerung von Medikationsrisiken liegen. Ein erster Schritt sei die Identifikation neuer Messverfahren, um die Wirksamkeit von Arzneimitteltherapien auf Basis von Routinedaten (Verwaltungs- und Abrechnungsdaten) präziser bestimmen zu können. Auch die Weiterentwicklung der Qualitätskriterien des elektronischen Medikationsplans (eMP) hin zu mehr Vollständigkeit, Aktualität und leichterer Verständlichkeit für Patientinnen und Patienten liegt im Fokus von AMTS-Forschungsvorhaben.
Für einen effektiven, digital gestützten Medikationsprozess seien mit der Einführung von elektronischem Rezept und elektronischer Patientenakte (ePA) bereits die zentralen Voraussetzungen geschaffen worden. Beide Anwendungen bieten laut Bundesgesundheitsministerium (BMG) sowohl Leistungserbringern als auch Patienten genaue Informationen und damit Chancen für eine risikoarme, digital gestützte Arzneimitteltherapie. Um das Potenzial digitaler Medikationsprozesse voll auszuschöpfen, sollen nun auf Basis des Aktionsplans gezielte Handlungsempfehlungen entwickelt werden, zum Beispiel für die Patientenaufnahme und das Entlassmanagement in Kliniken.
Mit dem Aktionsplan will das BMG außerdem die Kompetenzen und die enge Zusammenarbeit bei der Arzneimitteltherapie von Ärztinnen und Ärzten, Apothekerinnen und Apothekern sowie Pflegekräften stärken. Dazu soll im interdisziplinären Austausch und in der Zusammenarbeit mit medizinischen Fachgesellschaften eine Verständigung auf gemeinsame Maßnahmen für eine gezielte Überwachung von Risiken bei der Mehrfachmedikation und dem sicheren Absetzen von Arzneimitteln entstehen. Auch die Einführung eines interprofessionellen AMTS-Stewardship aus Ärzten, Apothekern und Pflegekräften soll demnach evaluiert werden, um die Therapiesicherheit nachhaltig zu stärken.
Im nächsten Schritt soll nun, aufbauend auf dem Kabinettsbeschluss, eine interprofessionelle Koordinierungsgruppe aus Ärztinnen und Ärzten, Apothekerinnen und Apothekern, Pflegekräften sowie Vertretern der Krankenhaus- und Patientenverbände eine gemeinsame Strategie zu den Maßnahmen des AMTS-Aktionsplans erarbeiten.
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