„Die Preisbindung hat mir nie eingeleuchtet“

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Berlin -

Im Rx-Markt bekommen die deutschen Versandapotheken seit Jahren kein Bein auf den Boden. Ihre Hoffnungen ruhen auf der Digitalisierung. Christian Buse, Chef des Bundesverbands Deutscher Versandapotheken (BVDVA), kann sich langfristig einen Rx-Anteil wie in der Offizin vorstellen. Im Gespräch mit APOTHEKE ADHOC erklärt er, wie die Politik die Apotheker beim Medikationsplan ausgespielt hat, warum er nicht auf das E-Rezept warten muss und was er von dem EuGH-Verfahren zur Preisbindung erwartet.

ADHOC: Wieso werden die Apotheker beim E-Health-Gesetz weitestgehend ausgeklammert?
BUSE: Weil sich die Apotheker nicht als Treiber dargestellt haben. Die Standesvertretung muss sich beim Thema Medikationsmanagement an die Spitze der Diskussion setzen und darf elektronische Themen nicht blockieren. Bei der Politik hat sich möglicherweise der Eindruck ergeben, die Apotheker würden sowieso mitmachen, notfalls auch ohne Vergütung. Daher hat die Regierung die Ärzte ins Boot geholt, da war mehr Überzeugungskraft nötig, und zwar mit pekuniären Argumenten. Politisch war das geschickt gemacht. Wenn sich die Apotheker in der finalen Phase als Treiber dargestellt hätten, wäre es vielleicht anders gekommen.

ADHOC: Der Medikationsplan kommt zunächst nur auf Papier. Haben Sie noch Hoffnung, dass alles etwas digitaler wird?
BUSE: Das Gesetz wird im Großen und Ganzen so bleiben, wie es ist. Aber unabhängig davon wird der digitale Aufbruch weitergehen – auch im Ministerium. Anlass für das E-Health-Gesetz war jetzt die Telematik-Infrastruktur und dass man hier endlich etwas vorzeigen will nach vielen Jahren. Aber die Struktur muss weiterentwickelt werden, weil sie sonst abgehängt wird. Wenn die Anwender die Telematik-Infrastruktur nicht nutzen, wird das Internet eigene Antworten geben. Und die großen Internetkonzerne werden nicht fragen, sondern Angebote machen.

ADHOC: Können Versandapotheken Medikationsmanagement besser?
BUSE: Es geht um Daten. Gutes Medikationsmanagement erfordert eine gute Datenbasis und gut geschultes Personal. Versandapotheken haben beides.

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