Philippi will Termin-Garantie

Facharzttermine: Kassen fordern flexible Praxis-Zeiten

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Berlin -

Etwa jeder dritte gesetzlich Versicherte in Deutschland empfindet die Wartezeit für einen Facharzt-Termin als zu lang. Das ist das Ergebnis einer Umfrage des GKV-Spitzenverbands.

Positiv beurteilen die Krankenversicherten Wartezeiten bei ihren Hausarztpraxen. 51 Prozent empfinden diese dort als „genau meinen Wünschen entsprechend“. 35 Prozent finden sie als „noch akzeptabel“. 14 Prozent sind unzufrieden. Bei Fachärzten hingegen sind für 30 Prozent der Versicherten die Wartezeiten „zu lang“ oder „viel zu lang“.

Länger als 30 Tage bis zum Facharzttermin

Jede:r Vierte wartet demnach länger als 30 Tage auf einen Termin in der Facharztpraxis. Jede:r Zweite kann innerhalb von zehn Tagen die Fachärztin oder den Facharzt sprechen. In Hausarztpraxen warten hingegen 25 Prozent nur länger als drei Tage – ein Viertel sucht die Hausarztpraxis ohne Termin direkt auf.

30 Prozent der befragten Versicherten gaben an, dass es zuletzt schwierig war, einen Termin bei einem Facharzt zu erhalten. Bei den Befragten mit einem schlechten Gesundheitszustand waren es sogar 35 Prozent.

Kassen fordern flexible Praxis-Zeiten

Bei den fachärztlichen Terminwartezeiten sähen die Kassen „dringenden Handlungsbedarf“, sagte die Vizechefin ihres Verbands, Stefanie Stoff-Ahnis. Deutlich wird nach ihrer Ansicht, „dass Patientinnen und Patienten sich eine ambulante Versorgung wünschen, die mit unserer modernen Lebens- und Arbeitswelt vereinbar ist“. Neben kürzeren Wartezeiten für Facharzt-Termine sprach sich Stoff-Ahnis auch für flexible Öffnungszeiten in den Praxen aus.

Der überwiegende Teil der Patientinnen und Patienten vereinbart einen Arzttermin immer noch persönlich oder telefonisch. Bei Hausärzten sind das laut der Umfrage 59 Prozent, bei Fachärzten sogar 65 Prozent. Für den Kassenverband ist „eine schnelle und zielgerichtete Steuerung von Patientinnen und Patienten“ unverzichtbar. „Digitale Angebote können hierzu einen entscheidenden Beitrag leisten.“

So schlägt der Verband eine gesetzliche Regelung für ein tagesaktuelles Onlineportal vor. Vorher soll nach den Vorstellungen für die Praxen ein Anteil ihrer Zeit für GKV-Termine festgelegt werden. In dem Portal sollen alle Arztpraxen ihre Termine für gesetzlich Versicherte zur Verfügung stellen.

Gesetzlich oder privat künftig egal?

Stoff-Ahnis forderte weiter: „Wer echte Gleichbehandlung will, sollte zudem dafür sorgen, dass bei der Terminvergabe nicht mehr danach gefragt werden darf, ob jemand gesetzlich oder privat versichert ist.“ Dies ist heute in vielen Praxen der Fall – Privatversicherte bekommen oft schneller einen Termin.

Für die nun veröffentlichte Umfrage waren im vergangenen Frühjahr 3520 gesetzlich Versicherte befragt worden. Durchgeführt wurde die Umfrage durch eine Marktforschungsfirma im Auftrag des GKV-Spitzenverbands.

Philippi will Termin-Garantie

Einen schnelleren Termin beim Facharzt, indem man zuerst zum Hausarzt geht – diesen Plan der Bundesregierung unterstützt Niedersachsens Gesundheitsminister und Vorsitzender der Gesundheitsministerkonferenz Andreas Philippi (SPD). „Das lange Warten auf einen Facharzttermin muss ein Ende haben“, sagte er.

„Unser Ziel ist es, dass Haus- und Kinderärzte Patientenströme besser steuern und an Fachärzte übermitteln – mit der Garantie, innerhalb von vier Wochen einen Facharzttermin zu bekommen“, erklärte der Minister. „Wenn dies länger als vier Wochen dauert, sollen die Patientinnen und Patienten einen Termin im Krankenhaus bekommen.“ Ausgenommen wären Gynäkologen und Augenärzte.

Der Koalitionsvertrag von Union und SPD im Bund, den Philippi mit ausgehandelt hat, spricht in dem Zusammenhang von einer Termingarantie.

Philippi: Deutsche gehen öfter zum Arzt als Skandinavier

Der Minister will außerdem die Arztkontakte von chronisch Kranken reduzieren, denen es ansonsten gut geht. „Wenn jemand zum Beispiel Bluthochdruck hat und regelmäßig Tabletten braucht, dann muss er bisher jedes Quartal zum Arzt. Das kostet Zeit. Hausärzte sollten die Tabletten künftig per Jahresverordnung verschreiben können“, sagte er.

Die Menschen in Deutschland gingen im Schnitt drei bis vier Mal häufiger zum Arzt als in Schweden oder Dänemark. Das hänge mit der Steuerung der Patientinnen und Patienten zusammen. „Viele Krankheitsbilder, die auch digital per Telemedizin gelöst werden können, finden hier immer noch im persönlichen Kontakt statt“, sagte Philippi.

In Dänemark etwa komme es bei leichten bis mittleren Beschwerden erst zum persönlichen Austausch, wenn die Schmerzen länger anhielten oder die empfohlenen Medikamente nicht zu einer Besserung führten. „Das führt dazu, dass die Praxen und Notfallambulanzen dort nicht so voll sind wie bei uns.“

KI-Analyse von Beschwerden? „Das spart viel Zeit“

Philippi richtete auch einen Appell an die Ärzteverbände: Es wäre gut, wenn diese sich trauen würden, die Möglichkeiten der digitalen Anamnese stärker zu nutzen, sagte er. „Es gibt Algorithmen, mit denen Beschwerden angegeben und dann über KI-gesteuerte Anamnesebögen sehr genau herausgefiltert werden können.“ Das zeige, ob ein Besuch in einer Praxis wirklich erforderlich sei. „Das spart den Ärztinnen und Ärzten viel Zeit“, sagte Philippi.

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