Dass die Krankenkassen nicht nur gegen eine Anhebung des Apothekenhonorars sind, sondern auch noch wollen, dass gut laufende Betriebe weniger als bisher bekommen, bringt die Apothekerschaft gegen sie auf. Inhaberin Dr. Schamim Eckert spricht von „GKV-Doppelmoral“.
„Die Erzählung von den ‚leeren Kassen‘ ist zur Schutzbehauptung eines Systems geworden, das sparen predigt – aber selbst nicht spart“, schreibt Eckert wütend, nachdem die stellvertretende Vorstandsvorsitzende des GKV-Spitzenverbands, Stefanie Stoff-Ahnis, deutlich gemacht hat, dass es mit den Kassen weder eine Anhebung des Fixums geben werde, noch dass sich wirtschaftliche profitable Stadtapotheken zu sicher fühlen sollten.
Von „Realitätssinn“ zu sprechen, wenn die Apothekerschaft weiter wie seit Jahren Nullrunden dreht, sei perfide, so Eckert. „Wenn Apotheken eine überfällige Anpassung fordern, heißt es, das sei ‚nicht vermittelbar‘. Wenn die Verwaltung höhere Löhne verlangt, ist plötzlich von ‚genug vom Mittelmaß‘ die Rede. Diese Doppelmoral ist nicht nur schwer vermittelbar – sie ist demokratisch problematisch“, schreibt Eckert.
Die von Stoff-Ahnis vorgeschlagene Vergütungslogik trage zudem planwirtschaftliche Züge: „Sie widerspricht fundamental den Prinzipien der sozialen Marktwirtschaft, wenn diejenigen, die mehr arbeiten, mehr Verantwortung tragen und höhere Risiken schultern, am Ende weniger verdienen sollen. Ein System, in dem Mehrarbeit und Effizienz bestraft werden, während Ineffizienz folgenlos bleibt, ist leistungsfeindlich und systemwidrig.“
Dass auch trotz der klammen GKV-Kassen die Gehälter der Kassenchefs beachtlich seien, zeuge davon, dass sehr wohl Geld da. „Rechnet man jährliche Erhöhungen und Sonderzahlungen zusammen, ergeben sich Steigerungsraten von rund 31 bis 33 Prozent. Schlechtere Ergebnisse – höhere Bezüge: Dieses Prinzip gilt offenbar exklusiv für die Verwaltung, nicht aber für die Versorgung“, moniert Eckert.
Während also die Gehälter der GKV-Mitarbeitenden stetig steigen, genauso wie die Vorstandsgehälter und Sonderzahlung – das alles bei steigenden Verwaltungskosten – „in Körperschaften des öffentlichen Rechts, finanziert aus Beitragsgeldern“, müssten Apotheken mit überholten Honorarsätzen auskommen. „Wer in dieser Lage Apotheken erklärt, sie müssten den Gürtel enger schnallen, während man sich selbst immer größere Löcher in den Gürtel stanzt, handelt zynisch und arrogant“, so die Inhaberin.
Warum es überhaupt 94 Krankenkassen brauche, mit jeweils eigener Verwaltung, sei ebenfalls nicht nachvollziehbar. „Hier liegt ein massives strukturelles Sparpotenzial, das politisch unbequem ist – und deshalb ignoriert wird. Stattdessen wird nach unten delegiert: an Apotheken, Pflege und Ärzte. Wenn Solidarität eingefordert wird, darf sie nicht an der Tür der eigenen Verwaltung enden. Wenn Sparen notwendig ist, dann zuerst im eigenen System – sichtbar, verbindlich und glaubwürdig.“