Einsparungen von rund 1,3 Milliarden Euro

DAK: „Dynamischer Herstellerabschlag ist ideales Mittel“

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Berlin -

Ein dynamischer, umsatzabhängiger Herstellerabschlag könnte kurzfristig rund 1,3 Milliarden Euro im Bereich der patentgeschützten Arzneimittel einsparen. Zu diesem Ergebnis kommt der aktuelle AMNOG-Kurzreport der DAK-Gesundheit. Demnach würde der Abschlag erst greifen, sobald gewisse Umsatzschwellen erreicht seien, und so insbesondere kostenintensive Wirkstoffe in den Fokus nehmen. 

„Die Ausgaben für patentgeschützte Arzneimittel steigen weiter stark an und gehören zu den dynamischsten Kostentreibern in der gesetzlichen Krankenversicherung“, sagt Andreas Storm, Vorstandsvorsitzender der DAK-Gesundheit. Laut den Kassendaten, ausgewertet durch das Forschungsinstitut Vandage, seien patentgeschützte Arzneimittel für 53 Prozent der GKV-Arzneimittelausgaben verantwortlich, obwohl sie nur 7 Prozent der insgesamt verordneten Tagesdosen ausmachten. Der Wettbewerb zwischen patentgeschützten Arzneimitteln mit vergleichbarer Wirkweise, führe bislang nicht zu relevanten Preisrückgängen.

„Vor diesem Hintergrund ist ein umsatzabhängiger Herstellerabschlag ein faires und zielgenaues Instrument, welches der ungebremsten Ausgabendynamik entgegenwirken kann. Er entlastet die GKV, ohne Innovationen pauschal zu beeinträchtigen. Deshalb ist er ein ideales Mittel zur Stabilisierung der GKV-Finanzen.“ Die FinanzKommission Gesundheit solle diesen Vorschlag rasch aufgreifen.

Einsparungen im Milliardenbereich

Unter dem Titel „Innovationsförderung und Kostendämpfung: Analyse politischer Handlungsoptionen im Markt patentgeschützter Arzneimittel“ hatten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vom Vandage die bereits im AMNOG-Report 2025 fokussierten Kostensenkungsmechanismen genauer auf deren potenzielle Wirksamkeit hin untersucht.

Der Kurzreport untersucht nun diskutierte Reformvorschläge zur Preis- und Ausgabensenkung. Demnach könnte allein eine Anhebung des Herstellerabschlags Einsparungen im Milliardenbereich bewirken. Der Report beleuchtet deshalb ein alternatives Entlastungsmodell, das auf einer progressiven Erhöhung des Herstellerabschlags für besonders umsatzstarke patentgeschützte Arzneimittel basiert.

Dieses würde kurzfristige Einsparungen von rund 1,3 Milliarden Euro ermöglichen. Die Maßnahme könne abhängig von bestimmten Umsatzschwellen greifen, würde sich somit auf umsatzstarke Wirkstoffe fokussieren und damit nicht den gesamten Patentmarkt gleichmäßig belasten.

Da der Fokus des AMNOG bisher primär auf dem Markteintritt liege, werde eine Re-Evaluation ebenso diskutiert wie eine Preis-Mengen-Nachsteuerung. Bei Letzterer zeige sich beispielsweise, dass insbesondere Indikationserweiterungen häufig zu hohen Ausgabenanstiegen führten. Preisanpassungen sollten demnach auch neue Anwendungsgebiete stärker berücksichtigen. Hier spricht die DAK von bisher ungenutzten Einspareffekten. Beide Instrumente bedürften jedoch der politischen Konkretisierung und Umsetzung.

AMNOG-System anpassen

„Der Report stellt fest, dass das AMNOG-System angepasst werden muss, um die Kosten wieder stärker am tatsächlichen Nutzen zu orientieren. Der Fokus müsse nicht nur auf der Phase des Markteintritts und des Patentauslaufs liegen, sondern auf dem gesamten Lebenszyklus des Arzneimittels. Denn insbesondere in der zweiten Hälfte der Patentlaufzeit sind besonders hohe Ausgabensteigerungen zu erkennen“, so die DAK.

Dass Handlungsbedarf bestehe, zeige auch die jüngste DAK-Analyse: Demnach seien die GKV-Arzneimittelausgaben im ersten Halbjahr 2024 um rund 10 Prozent gestiegen, im ersten Halbjahr 2025 erneut um 6 Prozent. Innerhalb dieses Marktes entfalle ein überproportionaler Anteil der Ausgaben und des Ausgabenwachstums auf patentgeschützte Arzneimittel.

Das Problem sei demnach, dass die Markteintrittspreise kaum sinken würden. Parallele Marktzugänge neuer Arzneimittel mit vergleichbarer Wirkweise stabilisierten ein hohes Preisniveau und führten häufig zu einem Treppeneffekt: „Die Einstiegspreise werden immer höher, während die Kosten für die Bestandstherapien nicht nennenswert absinken“, erklärt die DAK. Preis-Mengen-Vereinbarungen und Nachsteuerungen bei Indikationserweiterungen würden bisher wenig zur Kostensenkung beitragen.

Der Generika- und Biosimilarwettbewerb sei dabei zwar der stärkste Preissenkungsmechanismus, greife jedoch erst nach dem Patentablauf. Da aktuell rund 94 Prozent der AMNOG-Wirkstoffe patentgeschützt seien, seien die Einspareffekte in diesem Segment bislang gering.

Standortförderung

Im Kurzreport setzen sich die Forscherinnen und Forscher laut DAK kritisch mit der Standortförderung auseinander: Es sei kein belastbarer Zusammenhang zwischen höheren Erstattungspreisen und Standortinvestitionen ersichtlich. Preisregulierungen sollten sich laut Report deshalb an Nutzen, Evidenz und Budgetentwicklung orientieren, Standortförderung hingegen an anderen Faktoren.

Insbesondere die regulatorische Planbarkeit, Geschwindigkeit und Qualität administrativer Verfahren, die Forschungs- und Dateninfrastruktur sowie die Leistungsfähigkeit klinischer Netzwerke seien ausschlaggebend. Der Report empfiehlt deshalb, Standortpolitik primär auf diese Rahmenbedingungen auszurichten.

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