Niedrigschwellig erreichbar

Chirurgin: „Warum nicht Apotheken-Potenzial nutzen?“

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Berlin -

Apotheken sollen mehr Aufgaben im Bereich Prävention übernehmen. Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) schlägt weitere Leistungen für die Offizin im Bereich Herzgesundheit vor. Die Kardiologin und ehemalige Bundestagsabgeordnete Professor Dr. Claudia Schmidtke sieht ebenfalls Potenzial.

Schmidtke war von 2017 bis 2021 für die CDU/CSU Mitglied des Gesundheitsausschusses im Bundestag. Die Ärztin aus Schleswig-Holstein ist seit Januar beim Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) tätig und plädiert für den richtigen Fokus bei der Primärversorgung, diese befinde sich im Wandel. „Die aktuelle Diskussion um die Rolle von Apotheken zeigt, wie groß der Veränderungsdruck in unserem Gesundheitssystem ist“, so Schmidtke.

Apotheken und geschlechtersensible Medizin

Apotheken böten vor allem den Vorteil, dass sie niedrigschwellig erreichbar seien. „Sie sind nah am Alltag der Menschen und oft erste Anlaufstelle bei Fragen zur Medikation.“ Darin liege eine große Chance gerade in Bezug auf geschlechtersensible Medizin. Seit Jahren sei bekannt, dass Arzneimittel bei Frauen und Männern unterschiedlich wirkten. „Nebenwirkungen betreffen Frauen häufiger; Dosierungen sind nicht immer optimal angepasst Und dennoch findet dieses Wissen im Versorgungsalltag noch viel zu selten Anwendung.“

Apotheken-Potenzial gezielter nutzen

Das Potenzial in Apotheken könne gezielter genutzt werden. „Nicht als Ersatz ärztlicher Versorgung, sondern als Ergänzung dort, wo es unmittelbar wirksam ist.“ Etwa bei der Aufklärung zur sicheren Medikation, der Sensibilisierung für geschlechterspezifische Unterschiede und der Stärkung der Therapiesicherheit. „Das wäre eine Form von Prävention, die sofort greift – ohne neue Parallelstrukturen aufzubauen.“

Ihr Fazit: Die Zukunft der Primärversorgung entscheide sich nicht an der Ausweitung einzelner Leistungen, sondern an ihrer sinnvollen Integration. „Ich bin überzeugt: Wenn wir Apotheken gezielt dort stärken, wo sie heute schon einen Unterschied machen können, entsteht echter Mehrwert für Patientinnen und Patienten.“

Warken sprach sich Mitte März für weitere Vorsorgeleistungen in Apotheken aus. „Wir wollen jetzt die Apotheken noch mehr mit ins Boot nehmen, damit auch künftig dort diese Messungen, Testungen und eine Beratung stattfinden können“, so die Ministerin gegenüber Bild.de. Die Vergütung war kein Thema.

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