Bayern

Kammer und Verband bleiben „Dahoam“

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Berlin -

Kürzlich hat das Kabinett von Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) den Umzug des Gesundheitsministeriums des Freistaates nach Nürnberg beschlossen. Die selbsternannte „Frankenmetropole“ erhofft sich davon wirtschaftliche Impulse. Gesundheitspolitische Interessenverbände könnten sich ebenfalls in der Nähe ansiedeln – so wie es beim Bonn-Berlin-Umzug der Bundesregierung gelaufen ist. Auch die ABDA zog vom Main an die Spree. Aber die Standesvertretungen der bayerischen Apotheker müssen und wollen in München bleiben.

„Bei uns gibt es keine derartigen Pläne“ versicherte Thomas Metz, Sprecher des Bayerischen Landesapothekerverbandes. Die Umzugskisten werden wohl leer bleiben. Sogar aufs Gesetz pochen können die 45 Mitarbeiter der Landesapothekerkammer. Ein Umzug ist so gut wie ausgeschlossen. Dazu müsste zuerst das Heilberufe-Kammergesetz geändert werden. Dort steht in Artikel 52, Absatz 2: „Sie hat ihren Sitz in München.“ Gemeint damit ist die Landesapothekerkammer. Basta. Mir bleibn Dahoam.

Dennoch: Nürnberg setzt auf magnetische Kräfte, die vom geplanten Umzug des Gesundheitsministeriums ausstrahlen werden. Das Ressort von Melanie Huml (CSU) sei zwar nur das kleinste Ministerium der Landesregierung, räumt ein Stadtsprecher Nürnbergs ein, „aber es wird Auswirkungen auf Interssenverbände haben“. Zumindest Kopfstellen könnten in Nürnberg entstehen.

So hat es auch beim Bonn-Berlin-Umzug angefangen. Das Bundesgesundheitsministerium gründete 1998/99 eine Kopfstelle in Berlin. Die Mehrheit der Beamten und Mitarbeiter blieben verabredungsgemäß in Bonn. Montags und Freitag flogen Shuttlemaschinen die Ministerialbürokratie hin und her. So ist es bis heute. Aber es gab auch einen „Rutschbahn-Effekt“. Wer im Bundesgesundheitsministerium Karriere machen wollte, war in Berlin am rechten Platz und in Bonn auf dem Abstellgleis.

Auch und vor allem die Lobbyverbände im Gesundheitswesen zog es rasch nach Berlin. Die ABDA zog 2002 an die Spree. Der Bundesverband der Arzneimittelhersteller (BAH) eröffnete als letzter erst dieses Jahr eine Zweigstelle – dafür in der Friedrichstraße mit direktem Blick aufs Büro von Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU).

So ähnlich könnte es auch in Bayern laufen, wenn die mehr als 200 Mitarbeiter bis 2020 ihre Zelte in Nürnberg aufgeschlagen haben werden. Mit dem Umzug soll die Anzahl der Mitarbeiter auf 250 steigen. Der Umzug soll in den nächsten drei bis vier Jahren schrittweise vollzogen werden. In München soll es dann nur noch eine „Kopfstelle“ des Ministeriums geben.

Noch wird in Nürnberg ein passendes Gebäude gesucht. Es soll in der Nähe des Hauptbahnhofs liegen, weil anfangs viele Mitarbeiter pendeln müssen. Eine Stunde dauert die Fahrt mit dem ICE. Die Verlagerung soll „personalverträglich“ erfolgen. Der Wechsel nach Nürnberg ist für die Mitarbeiter freiwillig. Mit „Mobilitätshilfen“ sollen Anreize gesetzt werden. Wechselwillige werden mit Beförderungen geködert. „Buschprämien“ hießen die Köder beim Umzug von Rheinland ins preußische Berlin.

Bayern Staatsregierung um Horst Seehofer jedenfalls setzt darauf, dass das Staatsministerium für Gesundheit und Pflege die „Gesundheitsregion Franken“ stärken und wichtige strukturelle Impulse für den gesamten nordbayerischen Raum setzen wird. Die „Europäische Metropolregion Nürnberg“ hat sich unter der Bezeichnung „Medical Valley EMN“ besonders der Medizintechnik verschrieben mit Global Playern wie Siemens und zahlreichen mittelständischen Betrieben.

Die Universitätskliniken in Erlangen und Würzburg gelten als Pioniere für Spitzenmedizin. Und an der Hochschule für angewandte Wissenschaften Aschaffenburg soll der Gesundheitsbereich ausgebaut werden und in Bad Kissingen das Zentrum für Telemedizin entstehen.

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