Rx-Versandverbot

Becker: „Geben Sie sich einen Ruck!“

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Berlin -

Angesichts der weiterhin ungeklärten politischen Lage zum Rx-Versandverbot in der großen Koalition hat der Vorsitzende des Apothekerverbandes Baden-Württemberg, Fritz Becker, beim Parlamentarischen Abend des Verbandes die Politik zum Handeln aufgefordert: „Ordnungspolitische Maßnahmen sind unumgänglich, um unser Versorgungssystem zu erhalten“, sagte Becker: „Wir brauchen unsere Arzneimittelpreisverordnung.“

Becker setzte sich erneut für „ortsnahe, patientennahe, direkte und persönliche Pharmazie ein“. Der Patient müsse im Mittelpunkt stehen: „Päckchen-Pack-Pharmazie lehnen wir ab.“ Auch für die flächendeckende Versorgung mit Spezialrezepturen sei der Rx-Versandhandel nicht erforderlich. Stattdessen schlug Becker die Erweiterung der Vorschriften für aseptische Zubereitungen nach dem Apothekengesetz vor. „Geben Sie sich einen Ruck und setzen sie sich ein für ein Versandhandelsverbot für verschreibungspflichtige Arzneimittel“, sagte Becker an die anwesenden Politiker gerichtet.

Zum traditionellen Parlamentarischen Abend des Landesapothekerverbandes und der Landesapothekerkammer waren neben CDU/CSU-Fraktionschef Volker Kauder (CDU) und Annette Widmann-Mauz (CDU), parlamentarische Staatssekretärin im Bundesgesundheitsministerium (BMG), unter anderem CDU-Arzneimittelexperte Michael Hennrich, die CDU-Abgeordnete Karin Maag sowie Hilde Mattheis, gesundheitspolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion, erschienen.

Anhand der neuesten Daten der IFH-Studie wies Becker auf die besonderen Leistungen der Landapotheken beim Nacht- und Notdienst und in der Beratung der Patienten hin. So habe die IFH-Studie ergeben, dass Versandapotheken so gut wie nie persönlichen Kontakt zu den verordnenden Ärzten aufnähmen. Die Apotheken vor Ort würden jedoch zu 40 Prozent mehrfach täglich in Kontakt zu den Ärzten treten.

Zufrieden zeigte sich Becker mit der Verabschiedung des Arzneimittel-Versorgungsstärkungsgesetzes (AM-VSG). Damit seien endlich die Forderungen der Apotheker nach der Erhöhung der Gebühren für Rezeptur und BtM aufgegriffen worden. Begrüßt wurde von Becker auch das Verbot der Ausschreibungen für Zytostatika und für Impfstoffe.

Mit Blick auf die Entwicklung in Baden-Württemberg hob Becker den unterdurchschnittlichen Anstieg der Arzneimittelausgaben im Land im letzten Jahr hervor. Mit 2,9 Prozent habe Baden-Württemberg noch unter dem bundesweiten Zuwachs von 3,8 Prozent gelegen. Im Gesamtjahr 2016 gaben die Kassen in Baden-Württemberg 4,1 Milliarden Euro für Arzneimittel aus. Impfstoffe sind darin nicht enthalten. Die Zahl der Apotheken im Land sank von 2578 auf 2547.

Nach Beckers Angaben wurden 2016 bundesweit 696 Millionen Arzneimittelpackungen (ohne Impfstoffe) abgegeben. Das entspricht einem Mengenzuwachs von 1,4 Prozent. Zu Gunsten der Krankenkassen leisteten die Apotheken Abschläge in Höhe von 1,14 Milliarden Euro. Die Hersteller gewährten 1,68 Milliarden Euro an gesetzlichen Anschlägen. Die Einsparungen aufgrund der Rabattverträge bezifferte Becker auf 3,7 Milliarden Euro.

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