Apothekerlobby

Schmitz: ABDA muss Erfolge verschweigen

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Berlin -

Von der mächtigen Apothekerlobby ist in Tageszeitungen regelmäßig zu lesen, wenn eine neue Bundesregierung wieder keine Apothekenketten zulässt. Die Apotheker selbst schätzen die Erfolge der eigenen Standesvertretung oft anders ein – vor allem mit Blick auf die Honorarentwicklung. ABDA-Hauptgeschäftsführer Dr. Sebastian Schmitz hat vor den Beiräten des Landesapothekerverbands Baden-Württemberg (LAV) die Arbeit der ABDA erklärt – mit einigen interessanten Argumenten.

„Erfolgreiches Lobbying lebt immer vom Vertrauen in die Gesprächspartner“, erklärte Schmitz. Politische Gesprächspartner setzten auf Diskretion. Diese Vertraulichkeit verhindere häufig, „dass wir mit knackigen Erfolgsberichten nach außen gehen können“, so der ABDA-Hauptgeschäftsführer.

Lobbyarbeit sei zudem immer ein Tauziehen zwischen vielen, oftmals divergierenden, Interessengruppen. „Im Gesundheitswesen haben ja nicht nur die Apotheker Forderungen und Wünsche. Auch die Krankenkassen und andere Akteure gehen bei der Politik ein und aus. Und Sie können sich denken, dass deren Wunschvorstellungen häufig diametral entgegengesetzt zu unseren Zielen laufen“, so Schmitz.

Schmitz hatte seinen Vortrag launig mit den gängigsten Vorurteile über die ABDA begonnen: „Die tun nichts und wenn, dann zu spät.“ – „Die verprassen unser Geld.“ – „Die bei der ABDA wissen gar nicht, was an der Basis los ist.“ – „Die ABDA ist viel zu leise.“ Im Rahmen der Beiratssitzung habe er dann „nachvollziehbar und ausführlich ausgeführt, wo die Missverständnisse herrühren und wie die Arbeit bei der ABDA, die sich oft hinter den Kulissen abspielen muss, wirklich aussieht“, so der LAV.

Schmitz sprach von der Herausforderung, immer 17 Apothekerkammern und 17 LAV zu einer konsentierten und tragfähigen Lösung für ein Problem zu bewegen. „Solche Prozesse können nicht im Hauruckverfahren über die Bühne gehen.“ Dazu komme, laut Schmitz, dass auch die Kammern und Verbände in sich nicht homogen in ihrer Interessenlage seien.

„Politikfähig – in der Bundes- wie in der Standespolitik – ist und bleibt die ABDA nur, wenn wir einheitlich und konsentiert handeln können. Dies setzt jedoch voraus, dass ein Konsens gefunden wird“, so Schmitz. Dafür sei Ausdauer und Sitzfleisch vonnöten: Rund 50 Arbeitstage pro Jahr müssten allein für Gremiensitzungen eingesetzt werden. Schon beim Deutschen Apothekertag (DAT) hatte Schmitz verkündet, die ABDA sei nicht ohne Wirkung.

Fritz Becker, LAV-Präsident und Chef des Deutschen Apothekerverbands (DAV) ergänzte, dass natürlich das Lobbying nicht mit erfolgreichen Politikergesprächen ende: „Jedes Lobby-Gespräch zieht neue Arbeit nach sich. Und die entsprechenden Papiere müssen innerhalb kurzer Zeit erstellt werden. Hier liefert die Apothekerschaft über die ABDA mit ihren Mitarbeitern in kurzer Zeit viel ab.“

Oberste Priorität hat Becker zufolge immer noch das E-Health-Gesetz: „Derzeit finden nur die Ärzte darin Erwähnung, was das Anlegen eines Medikationsplanes angeht. Das wollen wir so nicht stehenlassen und es gibt gerade viele Befürworter im politischen Berlin, die die Apotheken auch am Medikationsplan beteiligt sehen wollen“, so der DAV-Chef.

Beim Pflegestärkungsgesetz soll laut Becker insbesondere die Inkontinenzversorgung und die Präqualifizierung bei der Hilfsmittelabgabe thematisiert werden. Einen Schritt weiter sei man schon beim Thema Entlassrezept nach einem Klinikaufenthalt. In Gesprächen mit der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) werde schon an den Details gearbeitet, wie das Entlassrezept von den Klinikärzten ausgestellt werden solle.

Laut LAV-Mitteilung war der Beirat von Schmitz' Vortrag angetan. Man könne die Abläufe, die Erfolge und scheinbaren Misserfolge nun wirklich besser verstehen und einschätzen, wird ein anonymer Teilnehmer zitiert. Eine Zuhörerin soll der ABDA geraten haben, solche Vorträge häufiger zu präsentieren.

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