„Traueraltar“ in der Apotheke

3500 in München, Kreativität in Baden-Württemberg

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Berlin -

Mit rund 3500 Menschen beim Protest in München setzten auch die Apothekenteams in Süddeutschland ein starkes Zeichen. Viele Teams in Baden-Württemberg hatten zudem regional Maßnahmen vor Ort durchgeführt, da das Schließen der Apotheken behördlich nicht genehmigt war. Auch ein Traueraltar wurde hierzu aufgebaut.

Da die Apotheken in Baden-Württemberg zum Protesttag nicht schließen sollten, beteiligten sich hier viele Teams auf vielfältige andere Weise an dem bundesweiten Protest. Teile der Teams verteilten sich auf die Veranstaltungen in München und Fulda oder machten vor den eigenen Apotheken auf die Notlage der Apotheken aufmerksam. Sie verhängten Schaufenster, trugen Schwarz oder gaben durch die Notdienstklappe ab.

„Die große Beteiligung mit ganz unterschiedlichen Maßnahmen zeigt, wie ernst die Lage für uns alle ist. Viele Apotheken arbeiten wirtschaftlich am Limit“, so Tatjana Zambo, Präsidentin des Landesapothekerverbandes (LAV). Sie weist darauf hin, dass trotz der vorangegangenen Debatte auch Apotheken im Ländle geschlossen blieben oder über die Notdienstklappe versorgten. „So wurde erfahrbar gemacht, was es bedeutet, wenn keine Apotheke Vor-Ort mehr verfügbar ist“, heißt es vom LAV.

Das Team der Christoph-Apotheke Pforzheim protestierte vor der Apotheke
Vor der Christoph-Apotheke in Pforzheim gab es einen eigenen kleinen Protest.Foto: Christoph-Apotheke Pforzheim

„Trauern“ in der Notdienstapotheke

Beispiel für diese andere Form des Protest war beispielsweise in Pforzheim die Christoph-Apotheke von Inhaber Andreas Plommer. Die Apotheke war ohnehin für den Notdienst eingeteilt; vor der Apotheke organisierte der Verband einen eigenen kleinen Protest. Das Team trug Schwarz, baute einen Traualtar auf und machte auch vor der Apotheke lautstark auf die Probleme der Apotheken vor Ort aufmerksam.

Der Verband begrüßt ausdrücklich, dass Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) eine Honorarerhöhung versprochen hat. „Mit dem Protesttag haben wir den notwendigen politischen Rückenwind erzeugt. Jetzt erwarten wir eine schnelle und verlässliche Umsetzung“, so Zambo weiter. Die gestrige Geschlossenheit und Entschlossenheit sei wichtig gewesen.

„Die Apothekerschaft steht wirtschaftlich mit dem Rücken zur Wand und ist darauf angewiesen, dass politische Zusagen eingehalten werden. Die Vor-Ort-Apotheken stehen aber auch solidarisch zusammen, um auch künftig eine sichere, wohnortnahe und qualitativ hochwertige Arzneimittelversorgung gewährleisten zu können.“

„Alarmierendes Bild“

Dr. Hans-Peter Hubmann, Vorsitzender des Bayerischen Apothekerverbandes (BAV), betonte auf dem Münchener Odeonsplatz, dass die geplante Apothekenreform grundsätzlich wichtige Ansätze enthalte, etwa neue pharmazeutische Dienstleistungen (pDL). Um diese zu leisten, brauche es aber wirtschaftlich stabile und freiberuflich geführte Apotheken.

Stattdessen zeichne sich ein „alarmierendes Bild“ ab, so Hubmann. Steigende Kosten und ein Stagnieren bei der Apothekenvergütung passten nicht zusammen. „Dieses Auseinanderklaffen von Kosten und Einnahmen können wir nicht mehr schultern!“, so Hubmann. „Fixum anpassen – jetzt!“ Aufgrund einzelner Akteure und Verzögerungen auf Bundesebene gehe es hier gerade nicht weiter, kritisierte er.

Bayerns Gesundheitsministerin Judith Gerlach (CSU) betonte per Videoschalte die „enge Verbundenheit“ mit der Apothekerschaft, Apotheken vor Ort seien „unverzichtbar – gerade in Krisenzeiten“ und könnten „zuverlässig und dauerhaft nur durch inhabergeführte Apotheken vor Ort“ gewährleistet werden. „Das können nur Sie leisten“, sagte sie den Teams und sprach sich gegen eine Vertretungsregelung durch PTA aus. Zudem stehe man „weiterhin zu dem, was im Koalitionsvertrag vereinbart wurde, vor allem zur Erhöhung des Fixums“.

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