Stoffwechselhormone

Antikörper gegen Diabetes

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Berlin -

Ein Forscherteam der Harvard University hat einen Antikörper entwickelt, der Diabetes Typ-II effektiv behandeln soll. Das schreiben die Wissenschaftler im Fachjournal „Science Translational Medicine“. Das neue Medikament könnte außerdem beim Fettlebersyndrom und anderen metabolischen Störungen eingesetzt werden. Der Antikörper unterbindet die Effekte des Hormons aP2 und zeigte in Tierversuchen vielversprechende Ergebnisse.

Dass Übergewicht das Risiko für Diabetes steigert, ist bekannt. Erst seit kurzem weiß man, dass das Fettgewebe selbst eine aktive Rolle im Verlauf metabolischer Erkrankungen besitzt: So werden bei fettleibigen Menschen verstärkt Hormone freigesetzt, die unter anderem in Muskeln, Leber und Gehirn systematisch den Stoffwechsel verändern.

Das Hormon aP2 gehört zu diesen Molekülen. Es war bislang noch kein Ziel für eine antidiabetische Therapie, die Forscher hatten jedoch herausgefunden, dass die Substanz offenbar die Zellkommunikation zwischen Fettgewebe und Leber beeinflusst. Menschen, die das Hormon wegen einer Genmutation nicht aufweisen, haben ein signifikant geringeres Risiko für Diabetes, Dyslipidämien und Herz-Kreislauferkrankungen.

Wenn es also gelänge, die Konzentration von aP2 zu verringern, könnte dies einen Einfluss auf den Krankheitsverlauf metabolischer Erkrankungen haben, so die Überlegung der Harvard-Forscher. Sie entwickelten verschiedene monoklonale Antikörper, die sich spezifisch gegen aP2 richten.

Zunächst testeten sie die Moleküle in Zelllinien und anschließend in adipösen Mäusen – mit Erfolg. Ein Kandidat konnte tatsächlich die Aktivität des Hormones blockieren. Das Resultat: Der Blutzuckerspiegel der Versuchstiere sank, Insulinsensitivität und Leberfunktion verbesserten sich. Zusätzlich verloren die Mäuse sogar an Gewicht.

Durch kristallographische Untersuchungen konnten die Forscher genau bestimmen, an welche Einheit des Proteins der Antikörper bindet. Andere Modelle bildeten zwar auch einen Komplex mit aP2, konnten aber dessen Einfluss auf den Stoffwechsel nicht verhindern. Die Gegenprobe brachte die Bestätigung: Bei Tieren, denen das Hormon fehlte, zeigte der Antikörper keinerlei Effekte auf den Blutzuckerspiegel oder die Leberfunktion.

Für die Wissenschaftler sind die Studien gleich ein doppelter Erfolg: So konnte klar gezeigt werden, dass a2P eine wichtige Rolle bei metabolischen Erkrankungen von übergewichtigen Patienten spielt. Damit ist das Hormon eine vielversprechende Zielstruktur für die Entwicklung neuer Medikamente gegen Diabetes oder das Fettlebersyndrom.

Außerdem können die Forscher mit dem Antikörper bereits einen potentiellen Kandidaten präsentieren. Das Molekül soll möglichst bald in klinischen Studien seine Wirksamkeit unter Beweis stellen. Bis dahin seien aber noch intensive prä-klinische Tests notwendig.

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