ADHS

Lilly weist Strattera-Kritik zurück APOTHEKE ADHOC/dpa, 09.12.2008 16:36 Uhr

Mainz/Berlin -

Der Pharmahersteller Lilly hat die gegen sein Psychoanaleptikum Strattera (Atomoxetin) erhobenen Vorwürfe zurückgewiesen. „Richtig ist, dass kein Todesfall eines Kindes in Deutschland bekannt ist, der in ursächlichem Zusammenhang mit Strattera steht“, teilte das Unternehmen mit. Das ZDF-Magazin „Frontal 21“ hatte in einer Vorankündigung zur heutigen Sendung berichtet, das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) führe eine Liste mit gegenwärtig 234 Verdachtsfällen zum Teil gefährlicher Nebenwirkungen des Mittels, darunter auch 4 Todesfälle.

„Frontal 21“ hatte sich auf interne Unterlagen des BfArM berufen, wonach der Behörde Meldungen über Herzschwäche, Hörstürze und Suizidgedanken vorlägen. Die Todesursachen der verstorbenen Kinder seien Suizid, Gehirnschlag und Herzinfarkt gewesen. Beim BfArM war trotz mehrmaliger Anfrage bis Redaktionsschluss niemand zu erreichen.

Für Jörg Schaaber, Patientenbeauftragter des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA), steht die Behandlung von Kindern mit einem so starken Medikament, das auch noch schwerwiegende Nebenwirkungen haben könne, laut ZDF-Angaben in keinem Verhältnis zum Nutzen. Schaaber hatte dem Sender zufolge sogar Marktrücknahme des Medikaments gefordert. Seiner Ansicht nach wird das Medikament „im Prinzip bei gesunden Kindern“ eingesetzt, weil sie hyperaktiv seien und sich schlecht konzentrieren könnten. „Das hat aber oft keinen Krankheitswert, ist nur nervig für die Umwelt“, so Schabber.

Lilly sieht es hingegen als „grob unwissenschaftlich und zudem unverantwortlich“ an, eine Nutzen-Risiko-Bewertung ohne Kenntnis von Einzelfällen lediglich anhand von Falllisten vornehmen zu wollen. Die Nutzen-Risiko-Bewertung von Strattera bleibe unverändert positiv. Die Diagnose ADHS müsse zudem von einem Arzt mit entsprechendem Fachwissen nach international anerkannten Kriterien und die Behandlung als Teil eines umfassenden Behandlungsprogramms erfolgen.

Strattera war vor vier Jahren zur Behandlung von Kindern mit Aufmerksamkeitsstörungen und Hyperaktivität (ADHS) zugelassen worden. Knapp ein Jahr später musste das Mittel mit einem Warnhinweis vor Selbstmordgedanken versehen werden. Kinder, die mit dem Medikament behandelt werden, müssen demnach sorgfältig auf Verhaltensänderungen beobachtet werden.

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