Kopfschmerzen

Migräne: Licht soll desensibilisieren Dr. Kerstin Neumann, 12.02.2016 13:11 Uhr

Berlin - Migräne ist häufig mit einer Überempfindlichkeit gegenüber Lichtreizen verbunden. Ein Forscherteam der Medizinischen Universität Wien untersucht nun in einer Studie neue Therapieansätze. Dabei soll die Frage geklärt werden, ob die bisher propagierte Vermeidung von Lichtreizen die richtige Strategie ist – oder möglicherweise eine gezielte Lichtexposition langfristig wirksamer ist.

Besonders die Lichtempfindlichkeit ist für Migränepatienten häufig belastend. Die Betroffenen sind in ihrem Alltag erheblich eingeschränkt: Oft wird schon normales Tageslicht als unerträglich empfunden, mit dem Ergebnis, dass sich Migräne-Erkrankte während einer Attacke in dunkle Räume zurückziehen. Auch zwischen den Attacken vermeiden viele Patienten Licht, welches als Auslöser für Kopfschmerzen gilt. Eine solche Vermeidungsstrategie zählt bis dato auch zu den ärztlichen Empfehlungen für den Umgang mit Migräne.

Inzwischen wird jedoch vermutet, dass die Vermeidung von Licht nachteilig ist und die Photophobie sogar verstärken kann. Die Wiener Wissenschaftler versuchen daher, andere Wege für den Umgang mit der Lichtempfindlichkeit zu finden. Eine Pilotstudie gab Hinweise darauf, dass die gegenteilige Strategie möglicherweise erfolgversprechender ist: Nicht das Vermeiden von Licht, sondern die Desensibilisierung des Gehirns gegenüber Lichtreizen könnte die Beschwerden der Patienten nachhaltig lindern. Für die Untersuchung durchliefen die Betroffenen einwöchige Trainings, in denen sich das Gehirn durch „Flackerlicht“ an helles oder normales Licht gewöhnen soll.

Das aktuelle Forschungsprojekt soll nun die ersten Erkenntnisse untermauern, hoffen die Wissenschaftler. In der Studie werden beide Herangehensweisen – Lichtexposition und Lichtentzug – an Migränepatienten und an Personen ohne Migräne untersucht und die Effekte mit Hilfe der funktionellen Magnetresonanztomografie (fMRT) sichtbar gemacht. Anhand der so erfassten Daten soll dann ermittelt werden, wie beide Methoden die Entzündungsreaktionen in der Hirnhaut beeinflussen und welche Strategie erfolgversprechender ist.
  • 1
  • 2

APOTHEKE ADHOC Debatte