GSK hat die weltweiten Rechte an Linerixibat an das italienische Unternehmen Alfasigma übertragen. Der britische Konzern erhält dafür eine Vorauszahlung von 300 Millionen US-Dollar sowie potenzielle Meilensteinzahlungen von bis zu 690 Millionen Dollar. Der Wirkstoff zur Behandlung von krankheitsbedingtem Juckreiz bei primär biliärer Cholangitis (PBC) befindet sich aktuell im Zulassungsverfahren und hält international den Orphan-Drug-Status.
Linerixibat fungiert als Hemmstoff des ilealen Gallensäuretransporters. Der Wirkstoff wurde speziell dafür entwickelt, den extremen Juckreiz bei Patienten mit Lebererkrankungen zu lindern. Linerixibat setzt im Darm an und blockiert dort die Wiederaufnahme von Gallensäuren in den Blutkreislauf. Da ein Überschuss an Gallensäuren im Blut als Hauptursache für den quälenden Juckreiz gilt, hilft die Senkung dieser Spiegel dabei, das Symptom direkt an der Ursache zu bekämpfen.
Linerixibat hat in den USA, der EU und Japan den Status eines Arzneimittels gegen seltene Krankheiten (Orphan Drug) erhalten sowie eine vorrangige Prüfung (Priority Review) in China.
Zugelassen ist der Wirkstoff noch in keinem Land. Zulassungsanträge für Linerixibat werden derzeit in den USA, der EU, Großbritannien, China und Kanada auf der Grundlage positiver Daten aus der Phase-III-Studie „Glisten“ geprüft. Diese erfüllte die primären und wichtigen sekundären Endpunkte und zeigte eine schnelle, signifikante und anhaltende Verbesserung des cholestatischen Pruritus und der juckreizbedingten Schlafstörungen im Vergleich zu Placebo. Das Sicherheitsprofil von Linerixibat entsprach den vorangegangenen Studien und dem Wirkmechanismus der IBAT-Hemmung.
Alfasigma ist ein italienischer Hersteller mit rund 3000 Mitarbeitenden in 22 Ländern, zwei Forschungs- und Entwicklungszentren und sechs Produktionsstätten. Das Unternehmen ist zu 75 Prozent im Besitz der Familie von des verstorbenen Gründers Marino Golinelli. In Deutschland liegt ein Fokus im Bereich Gastroenterologie, hier ist Alfasigma im OTC-Segment aktiv.
Im Rahmen der Vereinbarung erhält GSK weitere 100 Millionen Dollar bei Zulassung durch die US-Arzneimittelbehörde FDA. Darüber hinaus hat GSK Anspruch auf 20 Millionen Dollar bei Zulassung in der EU und im Vereinigten Königreich sowie auf bis zu 270 Millionen Dollar an umsatzabhängigen Meilensteinzahlungen. GSK wird zudem gestaffelte Lizenzgebühren im zweistelligen Prozentbereich auf die weltweiten Nettoverkäufe erhalten.
Tony Wood, Chief Scientific Officer bei GSK, sagte: „Wir sind davon überzeugt, dass Alfasigma aufgrund seiner Expertise im Bereich PBC der richtige Partner ist, um dieses Medikament für die Patienten weiter voranzubringen.“
GSK konzentriere sich nach dem Verkauf auf neue Präparate gegen Hepatitis B, die metabolische Dysfunktion-assoziierte Steatohepatitis (MASH) und die alkoholbedingte Lebererkrankung (ALD).
PBC ist eine chronische Autoimmunerkrankung, bei der das Immunsystem die kleinen Gallengänge der Leber zerstört. Durch diesen gestörten Gallenfluss stauen sich Gallensäuren im Körper an, was in jedem Krankheitsstadium einen massiven, inneren Juckreiz auslösen kann.
Dieser Juckreiz lässt sich nicht von außen durch mechanische Einwirkung lindern und führt bei Erkrankten oft zu schweren Schlafstörungen, chronischer Erschöpfung und einer massiv eingeschränkten Lebensqualität.
Obwohl die Erkrankung von Betroffenen als derart stark belastend beschrieben wird, dass sie in Extremfällen sogar eine Lebertransplantation erforderlich macht, wird das Symptom häufig nicht ausreichend dokumentiert. Das geht laut GSK aus amerikanischen Daten hervor. Der Juckreiz fehle in Krankenakten oft und bis zu ein Drittel der Patienten mit klinisch signifikanten Beschwerden erhalte deshalb keinerlei Behandlung.
APOTHEKE ADHOC Debatte