Risiko sinkt um 20 Prozent

Gürtelrose: Impfung schützt auch vor Demenz

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Berlin -

Eine neue Studie bestätigt: Eine Impfung gegen Herpes Zoster (Gürtelrose) kann das Risiko, an einer Demenz zu erkranken, signifikant senken.

Das Gürtelrose-Risiko steigt mit dem Alter. Aber auch Personen mit einem geschwächtem Immunsystem sind gefährdet. Deswegen empfiehlt die Ständige Impfkommission (Stiko) die Gürtelrose-Impfung für Risikogruppen ab 18 Jahren und für Menschen ohne Vorerkrankungen ab 60.

Nun ist bekannt, dass eine Immunisierung gegen Herpes zoster auch das Risiko an einer Demenz zu erkranken, signifikant senken kann. Aber auch die Demenz-Diagnosen nehmen, aufgrund der immer älter werdenden Bevölkerung, weiter zu. Aktuell leben weltweit etwa 55 Millionen mit einer solchen Diagnose.

Auch bei bereits Erkrankten

Auch das Team um den Epidemiologen Pascal Geldsetzer von der Stanford University fokussierte sich auf die Frage, ob eine Herpes-Impfung auch als Prävention gegen Demenz hilft. Die Ergebnisse der Studie „The effect of shingles vaccination at different stages of the dementia disease course“ wurde im Fachjournal Cell im Dezember veröffentlicht.

Die zentrale Erkenntnis: Die Impfung kann auch Menschen helfen, die bereits eine Demenzdiagnose haben, denn: Bei diesen Patienten führte die Immunisierung zu einer Verlangsamung des Krankheitsfortschritts.

Außerdem berichten die Forschenden von einer erhöhten Lebenserwartung. Teilnehmer:innen, die zum Zeitpunkt der Impfung bereits an Demenz erkrankt waren, zeigten eine Reduktion der Gesamtmortalität. Im Durchschnitt gewannen Geimpfte über einen Zeitraum von sechs Jahren etwa 164 zusätzliche Tage ohne Demenzsymptome oder lebten mit einem verlangsamtem Verlauf der Krankheit.

Risiko um 20 Prozent gesenkt

„Wir fanden heraus, dass die Impfung schätzungsweise eine von fünf neuen Demenzdiagnosen über einen siebenjährigen Nachbeobachtungszeitraum abwendete“, erklären die Forschenden.

Das Risiko sinke somit um 20 Prozent. „Die Ergebnisse legen nahe, dass das Herpes-Zoster-Virus eine kausale Rolle bei der Entstehung oder Verschlimmerung von Demenz spielen könnte und die Impfung diese neurodegenerativen Prozesse unterbricht.“

Die Studie zeigte ebenso geschlechtsspezifische Unterschiede. Die positiven Effekte auf die Sterblichkeit war bei Frauen deutlich stärker ausgeprägt als bei Männern.

Experiment in Wales

Für die Analyse nutzten die Forschenden ein „natürliches Experiment“ in Wales, bei dem ein bestimmter Stichtag über die Impfberechtigung von Personen entschied. Dies ermöglichte einen Vergleich zwischen fast identischen Gruppen, die sich nur durch wenige Tage im Geburtsdatum unterschieden.

Auf diese Weise konnten valide Daten erhoben werden, die einem klinischen Test nahekommen. „Unser Datensatz bestand aus 304.940 Personen, die zwischen dem 1. September 1925 und dem 1. September 1942 geboren wurden und am 1. September 2013 in Wales lebten und sich aufhielten.“

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