Allergierisiko

Anaphylaktischer Schock nach Corona-Impfung

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Berlin -

In Großbritannien ist der Corona-Impfstoff von Biontech nun seit zwei Wochen zugelassen. Bislang erlitten zwei Impflinge schwere allergische Reaktionen nach der Injektion. Personen, die in der Vergangenheit mit anaphylaktischen Reaktionen auf Impfstoffe reagiert haben, sollten sich daher nicht mit dem mRNA-Impfstoff impfen lassen, so die aktuelle Empfehlung der Aufsichtsbehörde MHRA. In den Zulassungsstudien wurden Probanden mit schweren Reaktionen auf Impfstoffe ausgeschlossen.

Großbritannien war der erste Staat in Europa, der den Impfstoffvon Biontech zugelassen hat. Am 2. Dezember erteilte die MHRA die Notfallzulassung. In dieser Woche gab es die ersten Impfungen. Bei zwei Personen kam es nach der Injektion zu schweren allergischen Reaktionen. Beide Betroffene sind nach eigenen Angaben anfällig für Allergien und tragen stets einen Notfallpen bei sich. Adrenalin-Pens wie Fastjet oder Emerade werden bei einem anaphylaktischen Schock in den Oberschenkel injiziert. Das Adrenalin hemmt die überschießende allergische Reaktion und kann lebensrettend sein.

Eine anaphylaktische Reaktion kann unterschiedlich schwer verlaufen und bis zum Kreislaufkollaps reichen. Die zwei betroffenen Personen erlitten zwar schwere allergische Reaktionen, konnten jedoch schnell versorgt werden. Die englische Gebrauchsinformation enthält Informationen dazu, dass die Vakzine nicht bei Personen angewendet werden soll, die gegen einen der Inhaltsstoffe allergisch sind. Bei Menschen, die zu allergischen Reaktionen neigen, sei generell Vorsicht geboten. Dass der Impfstoff generell zu allergischen Reaktionen führe, lässt sich aus den zwei britischen Vorfällen vorerst nicht ableiten.

Dr. June Raine, Chefin der Behörde, rät Personen mit erhöhter Allergieneigung von einer Impfung ab. „Personen mit anaphylaktischen Reaktionen auf Impfstoffe, Arzneien oder Lebensmittel sollten nicht mit der Pfizer/Biontech-Vakzine geimpft werden.“ Bereits vor der Zulassung wurde darauf hingewiesen, dass Menschen, die in der Vergangenheit bereits einmal auf Impfstoffe reagiert hatten, sich keiner Injektion unterziehen sollten. „Die meisten Menschen werden keine Anaphylaxie bekommen und der Nutzen durch den Schutz überwiegt die Risiken.“

Personen mit einem erhöhten Allergierisiko wurden vom Hersteller nicht in die zulassungsrelevante Phase-III-Studie aufgenommen. Generell zeigt der Impfstoff laut Studien eine gute Verträglichkeit. Nur in 0,6 Prozent der Fälle löste die Vakzine Reaktionen aus. In der Kontrollgruppe waren es 0,5 Prozent. Ein möglicher Auslöser von allergischen Reaktionen könnte das enthaltene Polyethylenglycol (PEG) sein. Hierbei handelt es sich um einen Stabilisator in der neuen Vakzine. PEG ist in anderen Impfstofftypen nicht vorhanden.

Der Impfstoff lässt auch deshalb eine gute Verträglichkeit vermuten, da er keine typischen Allergene wie Hühnerei enthält. Zu den Impfstoffen, die im Hühnerei produziert werden, gehören beispielsweise Influenza- und Gelbfieberimpfstoffe. Eine Vorabtestung, beispielsweise durch einen intrakutanen Test, bietet nur eine geringe Aussagekraft darüber, ob der Impfling auf eine Vakzine mit einer anaphylaktischen Reaktion reagieren wird, oder nicht. Einzelne Studien zeigen, dass gut ein Drittel aller Personen bereits bei der ersten Impfung mit einer allergischen Reaktion reagiert. Doch auch bei einer Folgeimpfung kann eine solche Reaktion das erste mal auftreten.

Anaphylaktischer Schock

Die anaphylaktische Reaktion beruht auf einer Antigen-Antikörper-Reaktion des Soforttyps: Die eingedrungenen Allergene werden vom Körper als Fremdstoff erkannt, darauf folgt die Bildung von Antikörpern. Beim nächsten Kontakt reagiert das Immunsystem innerhalb von Minuten mit einer heftigen Schockreaktion: Die Blutgefäße weiten sich, Wasser strömt aus den Gefäßen und der Blutdruck sackt ab. Der gesamte Organismus reagiert und sowohl Haut, wie auch Atemwege, Magen-Darm-Trakt und das Herzkreislauf-System können betroffen sein. Die häufigsten Auslöser für anaphylaktische Reaktionen sind Insektengifte wie Wespen-, Bienen- oder Hornissengift, verschiedene Nahrungsmittel wie Soja, Nüsse, Sellerie oder Schalentiere sowie Latex oder Medikamente.

 

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