Für Digitoxin ist ein Lieferengpass gemeldet, der voraussichtlich bis zum Jahresende andauern wird. Therapeutische Alternativen stehen nur sehr begrenzt zur Verfügung, teilt die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie (DGK) in einer Stellungnahme mit. „Der Lieferengpass ist daher als kritisch einzustufen.“
Die Digitalispräparate Digoxin und Digitoxin werden hierzulande überwiegend und bevorzugt zur Frequenzkontrolle bei Vorhofflimmern eingesetzt. So empfiehlt die deutsche S3-Leitlinie Vorhofflimmern die beiden Glykoside neben Betablockern, Verapamil oder Diltiazem zur Frequenzkontrolle. Die Auswahl und Dosierung der eingesetzten Substanzen soll sich am Nebenwirkungsspektrum, an den jeweiligen Komorbiditäten und der individuellen Verträglichkeit orientieren, heißt es von der DGK.
Eine Alternative zur Frequenzkontrolle bei Vorhofflimmern ist Digoxin, das allerdings primär renal eliminiert wird und bei Niereninsuffizienz akkumuliert. Digitoxin wird bei Niereninsuffizienz hingegen vermehrt enterohepatisch eliminiert. Vorsicht bezüglich einer Digoxin-Überdosierung ist bei alten Patientinnen und Patienten, Frauen und/oder untergewichtigen beziehungsweise schlecht ernährten Personen geboten.
Zur Frequenzkontrolle von Vorhofflimmern sind Betablocker oder bradykardisierende Calciumantagonisten wie Verapamil und Diltiazem (bei erhaltener Pumpfunktion) Mittel der ersten Wahl. Ihr Einsatz kann jedoch durch einen möglicherweise unzureichenden Effekt, ihre blutdrucksenkende Wirkung oder andere Kontraindikationen limitiert sein, so die Expert:innen. Digoxin und Digitoxin sind hier blutdruckneutral und werden in der Regel erst dann eingesetzt, wenn die anderen Wirkstoffe keinen ausreichenden therapeutischen Effekt zeigen.
„Als Alternative zu Digitalispräparaten zur Frequenzkontrolle von Vorhofflimmern könnte allenfalls Amiodaron gegeben werden, obgleich dies primär zur Rhythmuskontrolle eingesetzt wird“, so die DGK.
Kommt Digitoxin bei fortgeschrittener Herzinsuffizienz mit reduzierter linksventrikulärer Pumpfunktion zum Einsatz, kann Digoxin zur Therapie der Herzinsuffizienz eine Klasse-IIb/B-Empfehlung sein. Studien zeigen, dass Patient:innen mit Herzinsuffizienz und reduzierter Ejektionsfraktion, die eine leitliniengerechte medikamentöse Therapie erhielten, unter Digitoxin im Vergleich zu Placebo ein geringeres kombiniertes Risiko für den Tod (jeglicher Ursache) oder Krankenhauseinweisung aufgrund einer Verschlechterung der Herzinsuffizienz haben.
„Zusammenfassend stehen therapeutische Alternativen für Digoxin und Digitoxin nur sehr begrenzt zur Verfügung. Der Lieferengpass ist daher als kritisch einzustufen“, so die DGK.
Digoxin zählt zu den herzwirksamen Glykosiden. Das mittellang wirkende Glykosid entsteht aus β-Acetyldigoxin und besitzt folgende kardiale Effekte:
Digitoxin hemmt spezifisch die Adenosintriphosphatase und somit den aktiven Transport von Natrium- und Kaliumionen. Die extra- und intrazellulären Natriumkonzentrationen nähern sich einander an, wodurch der Natrium-Calcium-Austauscher keinen antreibenden Konzentrationsgradienten mehr besitzt. Es bleibt mehr Calcium in der Zelle und es strömt mehr Calcium in die Zelle, das für die Herzmuskelkontraktion benötigt wird. Ist der Austausch von Natrium und Kalium gehemmt, nimmt auch die Impulsüberleitungsrate in Vorhof und AV-Knoten ab (negativ dromotrop).
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