Xanten

30-Jähriger führt „Familienapotheke“

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Berlin -

Seit 100 Jahren ist die Hirsch Apotheke in Xanten bereits im Besitz der Familie Dyckmans. Die Geschichte der Apotheke spiegelt damit die Geschichte der Familie wider. Heute wird sie in vierter Generation von Maximilian Dyckmans geführt.

Dass er einmal einen Heilberuf ergreifen will, sei ihm bereits in der Schulzeit klar gewesen, erinnert sich Dyckmans. Nach einem Krankenhaus-Praktikum habe er sich gegen die Medizin entschieden. Stattdessen beschloss er, in die Fußstapfen seiner Eltern zu treten und Pharmazie zu studieren.

„Zunächst haben meine Eltern versucht, mir die Nachteile und Herausforderungen des Berufes vor Augen zu führen“, erinnert sich Dyckmans. Als selbstständiger Apotheker habe man nur wenig Freizeit und kaum Möglichkeit, Urlaub zu machen, warnten die erfahrenen Apotheker. Man trage außerdem wirtschaftliche Verantwortung nicht nur für die eigene Familie, sondern für die Beschäftigten der Apotheke. „Als sie aber gemerkt haben, dass es mir mit meinem Wunsch, Apotheker zu werden, wirklich ernst ist, waren sie sehr stolz und glücklich“.

Als er nach seinem Studium das erste Mal Kundenkontakt hatte, war Maximilian Dyckmans klar, dass es die richtige Entscheidung war. Seit zwei Jahren leitet der 30-Jährige in nunmehr vierter Generation die Hirsch-Apotheke und führt damit eine Familientradition fort, die sein Urgroßvater Friedrich Dyckmans vor 100 Jahren begründet hat.

Dabei kann er auf die Erfahrung der Eltern bauen und ihr Wissen nutzen. 27 Jahre lang haben sie die Apotheke am Markt geführt, gut eineinhalb Jahre mit ihrem Sohn gemeinsam hinter dem HV-Tisch gestanden, dann aber einen klaren Schnitt gemacht und Maximilian Dyckmans das Feld überlassen. „Sie waren stolz, dass die Familientradition fortgeführt wird und für mich war es ein großer Vertrauensbeweis“, sagt der Apotheker.

Seit 1730 gibt es die Hirsch-Apotheke am Markt in Xanten. 1916 hatte Friedrich Dyckmanns sie von Apotheker Wilhelm Schieffer gekauft. Allerdings hat er dort nie arbeiten können: Denn er kämpfte als Soldat im Ersten Weltkrieg, unter anderem in Frankreich. Dort ist er auch getötet worden. Sein Vetter Alfred Cliever übernahm 1922 die Apotheke. Später heiratet er die Witwe. 32 Jahre später (1954) übernahm sein Stiefsohn Herbert Dyckmans die Apotheke, führte sie bis zu seinem Tod 1969.

Danach verpachtete seine Witwe die Apotheke für zehn Jahre. Dann stand die nachfolgende Generation in den Startlöchern: 1979 übernahm Herbert Dyckmanns Tochter Elisabeth die Leitung, gab sie aber 1987 an ihren Bruder Anselm wieder ab. Er übertrug die Verantwortung vor zwei Jahren wiederum an seinen Sohn Maximilian.

Während der 100-jährigen Geschichte sei die Apotheke nie länger geschlossen gewesen, erzählt der Pharmazeut. Sogar während der Kriege hätten seine Vorfahren die Einwohner von Xanten mit Arzneimitteln versorgt. „Die Stadt wurde im Zweiten Weltkrieg durch Bomben stark zerstört. Die Apotheke hatte aber Glück und blieb weitgehend unversehrt“, berichtet er.

Bis in die 60er Jahre war die Hirsch Apotheke die einzige Apotheke in Xanten, weiß Maximilian Dyckmans aus Erzählungen seiner Eltern. Sein Großvater Herbert habe quasi jeden Tag Notdienst gehabt, 365 Tage im Jahr. Heute wird der 24-Stunden-Dienst auf mehrere Schultern verteilt. Denn inzwischen gibt es in Xanten vier Apotheken.

Auch die Arbeit der Apotheker habe sich stark gewandelt. Während früher etwaige Salben, Tropfen, Tinkturen gemischt und angerührt und Pillen gedreht wurden, werden heute Arzneimittel überwiegend von der Industrie gefertigt. Zwar spiele die Rezeptur vor allem bei Arzneimittelversorgung von Kindern, für die es häufig keine fertigen, passend dosierten Medikamente gibt, nach wie vor eine wichtige Rolle im Apothekenalltag. Der Schwerpunkt der Arbeit liege aber in der pharmazeutischen Beratung der Patienten, sagt Dyckmans.

Sein persönliches Steckenpferd sei dabei die geriatrische und palliative Pharmazie. Der Apotheker hat deshalb eine Fortbildung bei der Landesapothekerkammer absolviert und eine Zusatzbezeichnung auf diesem Gebiet erworben. Vor allem die Arzneimitteltherapiesicherheit bei Polypharmazie-Patienten findet der junge Apotheker besonders spannend.

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