Drittgrößte Offizin in Deutschland

„Wir bauen die Apotheke der Zukunft!“

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Berlin -

Seit am „Stachus“, wie die Münchener den Karlsplatz nennen, das damals größte Untergrundbauwerk Europas im November 1970 eröffnet wurde, war die Dr. Beckers Central Apotheke schon dabei – und damit war sie die erste unterirdische Offizin. Über 50 Jahre später haben vor einigen Wochen enorme Umbauarbeiten gestartet. Die Apotheke der Zukunft soll hier bis Oktober entstehen. Marcel Becker und Roman Götz berichten, was es damit auf sich hat.

„Wer in München lebt oder mal zu Besuch ist, kommt wohl an der Dr. Beckers Central-Apotheke am Stachus kaum vorbei“, mutmaßt Becker. Der Name ist kein Zufall: Sein Vater war Gründer der Apotheke. Als dieser plötzlich starb, wurde der Betrieb erst einmal verpachtet, bis ihn Anfang 2020 schließlich Roman Götz übernahm. Er ist der beste Freund von Marcel Becker, der ebenfalls Apotheker ist, sich aber bereits während des Pharmaziestudiums aus der Apotheke herausbewegt hat.

Die beiden verbindet nicht nur eine private, sondern auch eine geschäftliche Beziehung. Als Gründer der Marketingfirma Apovid ist Becker strategischer Partner im Hintergrund der Dr. Beckers Central Apotheke. Durch den Input aus knapp 1200 Apotheken, mit denen Apovid kooperiert, hat Becker die Möglichkeit, ein wenig über den Tellerrand hinausschauen zu können. Diesen äußeren Einfluss versucht er zu verarbeiten und gebündelt auf die Dr. Beckers Central-Apotheke fokussieren zu können, um sie konzeptionell weiterzubringen.

Mehr Gesundheit, als Krankheit

Beide Männer verfolgen ein gemeinsames Ziel: Die Apotheke nach vorne zu bringen und den Fokus auf Gesundheit zu setzen. „In der breiten Masse der Bevölkerung ist die Apotheke mit Krankheit verbunden – vorher, also in Gesundheit, findet diese Institution nur bedingt statt. Und das ist der Ansatzpunkt, wo man allgemein gesundheitspolitisch als Apotheke hinsollte“, so Becker. „Klar sind wir da, wenn es um Krankheit geht, aber man kann eben auch schon viel früher ansetzen, wenn wir verzahnt und vernetzt im Gesundheitswesen arbeiten.“

Mit diesem Gedanken folgt ein radikaler Schnitt für die drittgrößte Offizin in Deutschland: „Wir bauen die Apotheke der Zukunft!“ Mit mehreren Experten aus verschiedenen Bereichen wurde ein komplett neues Innenraumkonzept entwickelt. Schon 2020 habe man das Projekt angehen wollen. Allerdings machte die Pandemie einen gewaltigen Strich durch diese Rechnung. Im vergangenen Jahr wurden die Pläne dann wieder aus der Schublade geholt und konkretisiert.

Weg mit der klassischen HV-Situation

„Zuerst muss man sich natürlich fragen, was wir für Prävention und Gesunderhaltung tun können und wie wir uns im Selbstverständnis dafür verändern müssen, um eines Tages die Relevanz zu haben. Von heute auf morgen wird nicht viel passieren. Aber es ist unser Anspruch, das hinzubekommen mit dem, was räumlich machbar ist und den Möglichkeiten, die regenerierbar sind“, so Roman Götz. Die Initiativen seien mit den pharmazeutischen Dienstleistungen bereits da, die anbieten, mehr sein zu können und mehr sein zu dürfen.

Das neue Konzept sieht eine komplett andere Raum- und Lichtgestaltung vor: Offen und durchlässig soll es sein, keine Sperren in Form von zugebauten Tischen mehr geben, die klassische HV-Situation aufgelöst werden. „Es soll nicht diesen einen Fixpunkt in der Apotheke geben, sondern Offenheit darstellen und vor allem klar signalisieren, dass wir mehr können, als nur im Krankheitsfall zu helfen.“

Dazu werden die Kassenplätze halbiert, die Beratungsbereiche verdreifacht, aber dezentral aufgestellt und mit Tablets ausgestattet, die an den Kommissionierautomaten anbinden. Die Arzneimittel sollen für die Patient:innen sichtbar sein und zukünftig hinter Glas in den Raum integriert werden. Die Einrichtung einer immersiven Erholungsoase mit einer Sauerstoff-Box soll als Ruheraum dienen. Hier kann inmitten der Münchener Innenstadt gesunde Luft wie auf der Zugspitze aufgenommen werden. „Die Mitarbeiter:innen freuen sich ebenfalls auf einen schönen, interessanten und zukunftssicheren Arbeitsplatz, zu dem sie gern hingehen. Da sie Untertage agieren haben sie kein Tageslicht, erst recht nicht in den Wintermonaten. Die Investitionen sind also auch dahingehend, den Arbeitsplatz so schön und angenehm wie möglich für das Team zu gestalten.“ Dazu werde ein Lichtkonzept, welches natürliche Außenverhältnisse simuliert, installiert.

„Projekt am offenen Herzen“

Seit Ende Juli wird dazu baulich ordentlich losgelegt und die Apotheke bis zur nackten Wand zurückgebaut und komplett neu aufgebaut – kein einfaches Unterfangen, denn die 750 Quadratmeter große Fläche erstreckt sich über drei Untergeschosse. Der Betrieb, der vorwiegend Laufpublikum genießt, wird im Übrigen nicht geschlossen: „Das ist ein Projekt am offenen Herzen sozusagen“, berichtet Marcel Becker. „Es wird zwei Bauabschnitte geben, die durch eine professionelle Staubwand getrennt sind. Im September wird geswitcht.“ Insgesamt müssen für die Umsetzung des Projekts 17 Gewerke Hand in Hand arbeiten. Dieses Bauteam zusammenstellen zu können, sei eine der größten Herausforderung gewesen. Anfang Oktober soll alles schon fertig sein.

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