Als am Montag landauf, landab aus Protest viele Apotheken geschlossen hatten, sicherten vielerorts lediglich die Notdienstapotheken die Versorgung. Wie sich dieses ausgedünnte Versorgungsnetz anfühlt, wurde von der Regionalpresse aufgegriffen. „Streik zeigt, wie sich ein Apotheken-Mangel anfühlt“, titelte beispielsweise der „Soester Anzeiger“ und sprach mit einer Patientin, die ihr Asthma-Spray „in letzter Minute“ bekam.
Die Apotheke Camen in Soest hatte am Montagmorgen noch regulär Notdienst bis um 9 Uhr. In der Apotheke machte sich der Protesttag damit bereits in den Morgenstunden bemerkbar, berichten Walter Camen und Ingrid Certa dem Portal. „In der ersten Stunde ist es sonst immer ruhig. Heute war schon mehr los“, so Certa. Einige Kund:innen seien zu ihnen gekommen, weil ihre Stammapotheke geschlossen war.
Die Kund:innen seien verständnisvoll und solidarisch gewesen, berichtet Certa: „Sie haben uns viel Erfolg gewünscht. Wir haben jetzt gerade noch Notdienst, stehen aber auch in den Startlöchern.“ Nach dem Notdienst ging es für die beiden mit dem Zug zur Kundgebung nach Düsseldorf.
Mit der letzten Kundin des Tages sprach das Portal auch: Stefania Voß. „Boah, was habe ich für ein Glück“, wird sie zitiert. Sie sei gerade vom Arzt gekommen und habe wegen starker Atemprobleme ein Asthmaspray verschrieben bekommen. „Ich hatte Glück, dass ich sehr früh beim Arzt und dementsprechend hier war.“ Voß stamme aus Italien und wüsste, was Apothekenmangel bedeute. „Ich kann verstehen, dass die Apotheken streiken.“
Unterstützung gibt es laut Beitrag auch vom Hausarzt vor Ort: „Die Apotheker reißen sich den Hintern auf und stellen die Notdienste, damit die Versorgung trotzdem gewährleistet ist. In anderen Ländern fällt sie in solchen Situationen komplett aus“, so Dr. Heinz Ebbinghaus. Wegen des Protesttages komme es wohl kaum zu Notsituationen, so der Mediziner. „Die Apotheker haben einen funktionierenden Notdienst. Daher kommt die akute Not bei vielen gar nicht so stark an – irgendwo ist immer jemand erreichbar. Es war lange genug angekündigt.“
Auch ein anderer Fall aus Mecklenburg-Vorpommern sorgte für eine Schlagzeile: „Frau benötigt dringend Medikamente, doch die Rettung ist bis zu 70 Kilometer entfernt“, titelte der „Nordkurier“. Hier zeigte sich die betroffene Patientin allerdings nicht so verständnisvoll: „Liselotte Rogge war am Montag so richtig genervt. Für dringende Medikamente nach einer Krankenhaus-Entlassung musste die Seniorin weite Wege auf sich nehmen“, schreibt die Regionalzeitung.
Die Rentnerin habe bei ihrer Entlassung aus dem Krankenhaus Medikamente für drei Tage mit nach Hause bekommen. Als sie dann am Montag zu ihrem Hausarzt gegangen sei, habe sie in Neustrelitz keine offene Apotheke gefunden. „Eine Notbesetzung für Neustrelitz sollte doch wenigstens da sein“, empörte sich die Rentnerin laut Beitrag. „Schließlich sei das kein kleiner Ort“ – etwa 20.000 Einwohner:innen hat Neustrelitz.
Doch seit einer Anpassung in Mecklenburg-Vorpommern dürfen Notdienstapotheken nun maximal 35 statt 25 Kilometer entfernt sein. Für die Rentnerin aus Neustrelitz bedeutete das am Montag eine Fahrt nach Neubrandenburg (30 Kilometer entfernt), Malchow (72 Kilometer) oder Fürstenberg (30 Kilometer), um an ihre Arzneimittel zu kommen, so der „Nordkurier“. Umso ärgerlicher sei es dann, wenn das Präparat nicht vorrätig sei.
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