Virusinfektion

Narkosearzt soll Patienten mit Hepatitis C infiziert haben

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Berlin -

In der Donau-Ries-Klinik im nordschwäbischen Donauwörth soll ein Klinikarzt mehrere Patienten mit Hepatitis C infiziert haben. Der Mediziner soll möglicherweise selbst mit dem Virus infiziert gewesen sein. Fünf Fälle seien bereits bekannt, so das Landratsamt Donau Ries. Die Staatsanwaltschaft sei eingeschaltet.

Gegen den Mediziner wurde laut Augsburger Oberstaatsanwalt Matthias Nickolai ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. „Nach den internen Gesundheitsuntersuchungen sowie dem aktuellen Ermittlungsstand der Staatsanwaltschaft, konzentriert sich der Verdacht der möglichen Körperverletzung ausschließlich auf den ehemaligen Donauwörther Arzt“, schreibt das Landratsamt. Bislang sei unklar, wie der Arzt die Patienten infiziert habe. „Erst einmal muss man feststellen, ob es tatsächlich sicher ist, dass die Infektionen von ihm kamen“, wird Nickolai zitiert. Polizei und Gesundheitsamt arbeiten eng zusammen, um den Fall aufzuklären. „In der vergangenen Woche hatte eine Arztpraxis aus dem südlichen Landkreis Donau-Ries den Verdacht einer Infektion während einer Operation am Krankenhaus in Donauwörth an die Klinik herangetragen“, teilt das Landratsamt mit.

Derzeit sind fünf Fälle von Hepatitis C bei Patienten, die in der Donau-Ries-Klinik operiert wurden, bekannt. „Nach bisherigem Kenntnisstand muss davon ausgegangen werden, dass die Übertragung durch einen Arzt des Krankenhauses erfolgte, der mit dem Virus infiziert war“, so das Landratsamt. „Nachträglich werden jetzt alle weiteren möglicherweise betroffenen Patienten durch das Gesundheitsamt angeschrieben und zu Untersuchungen gebeten.“

Es soll sich um einen Narkosearzt handeln, der im Zeitraum vom 22. November 2016 bis 24. April 2018 hunderte Patienten behandelt haben soll. „In diesem Zeitraum wurden insgesamt 693 Patientinnen und Patienten vom beschuldigten Mediziner narkotisiert“, teilt die Kreisbehörde mit. Die Betroffenen würden sich nun bei ihrem Hausarzt auf Hepatitis C untersuchen lassen.

Eine Ansteckung könne auf ein ärztliches Fehlverhalten zurückzuführen sein. Ein Verschulden in den Klinikabläufen könne ausgeschlossen werden. „Der Zeitraum der möglichen Infektionen kann eingegrenzt werden, weil der Arzt bei einem internen Gesundheitstest zuvor keine Erkrankungen aufgewiesen hat“, schreibt die „Augsburger Allgemeine“. Der Narkosearzt habe das Klinikum ohnehin im Mai verlassen.

In Deutschland leben etwa 300.000 Menschen mit chronischer Hepatitis C. Ohne Behandlung kann die Leberentzündung zu Zirrhose oder Leberkrebs führen. Eine Übertragung des Virus ist auf dem Blutweg möglich. In Krankenhäusern verwendete Blutkonserven werden daher auf das Virus überprüft. Weltweit zählt Hepatitis C zu den häufigsten Infektionskrankheiten.

„Eine Hepatitis-C-Infektion sei inzwischen mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit vollständig heilbar“, so das Landratsamt. Beispielsweise kann eine achtwöchige Therapie bei einer chronischen Hepatitis C aller Genotypen eingesetzt werden. Die Betroffenen werden mit der Kombination Glecaprevir/Pibrentasvir einmal täglich zu drei Tabletten behandelt. Glecaprevir hemmt die HCV-NS3/ 4A-Protease und Pibrentasvir das HCV-NS5A-Protein. Beide Eiweiße sind wichtig für die virale Replikation. Die Kombination ist wirksam gegen alle HCV-Genotypen und kann auch bei Patienten mit schwerer Niereninsuffizienz auch in der Dialyse eingesetzt werden. Die häufigsten Nebenwirkungen sind unter anderem Müdigkeit und Kopfschmerzen. Zur Behandlung können unter anderem auch Harvoni (Sofosbuvir, Ledipasvir) bei HCV-Infizierten des Genotyps 1und Epclusa (Sofosbuvir, Velpatasvir) bei Infektionen mit den Genotypen 1 bis 6 eingesetzt werden.

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