Traditionsapotheke sucht Nachfolger

Inhaberin: „Möchte endlich in Rente gehen“

, Uhr
Berlin -

Zum 1. Mai möchte das Ehepaar Maisenbacher ihre Neue Apotheke am Schloss in Sigmaringen in gute Hände geben. „Mein Mann und ich wollen endlich in die wohlverdiente Rente gehen und suchen deshalb einen Nachfolger“, so die 72-Jährige. Das Geschäft bestehe seit 1958 und es wäre auch laut Vermieter Yusuf Varma sehr schade, wenn das Traditionshaus bald schließen muss. „Ich unterstütze bei der Suche sehr gerne“, sagt er. Ganz so einfach ist es aber nicht.

Die Maisenbachers führen die Apotheke gemeinsam seit 27 Jahren, in den letzten Jahren war jedoch Ursula Maisenbacher die Hauptverantwortliche. „Aus gesundheitlichen Gründen meines Mannes“, erklärt sie. Da beide bereits über 70 Jahre alt sind, möchten sie endlich in die wohlverdiente Rente gehen. „Deswegen suchen wir gemeinsam einen Nachfolger, der die Apotheke weiterführt.“ Auch der Hauseigentümer setzt sich mit ein. „Mir ist es wichtig, dass wir jemanden finden, denn es wäre sehr schade, wenn das Traditionshaus endgültig schließen müsste“, so Varma.

Traumhafte Lage in der Altstadt

Er betont dies auch in Hinblick auf den ohnehin aussterbenden Einzelhandel: „Die Lage hier ist traumhaft. Die Apotheke befindet sich in direkter Nähe des Hohenzollernschlosses“, sagt der Vermieter. „Die Geschäfte in der Altstadt müssen erhalten bleiben, so auch die Apotheke.“

Auch dem Ehepaar ist sehr daran gelegen eine Interessentin oder einen Interessenten zu finden – allein aus finanzieller Sicht: „Möchte niemand die Apotheke übernehmen, ist das mit hohen Kosten für uns verbunden“, betonen die beiden.

Übernahme wäre Win-Win-Situation

„Für uns wäre es also eine Win-Win-Situation, da einerseits für den nächsten Inhaber eine Vollausstattung bereitstünde“, erklärt Maisenbacher. „Und wir selbst haben irre viel Geld in den Ausbau der Räume gesteckt“, erklärt sie. „Diese haben wir damals im Rohbau übernommen.“

Laut Mietvertrag müssen die Räume komplett rückgebaut werden, sollte sich kein direkter Nachfolger finden, der mit den Umbauten einverstanden ist. Dazu gehören auch Schaufenster, Elektrik und Fußböden. Diese müssten teils beseitigt und in den Urzustand versetzt werden. „Wir zahlen demnach noch drauf“, sagt die Apothekerin. „Uns gehören die Sachen, wir würden sie dann mitnehmen soweit möglich oder man kauft sie uns ab.“

Barrierefrei und groß

Die "Neue Apotheke am Schloss" in Siegmaringen
Die Apotheke verfügt über einen zweiten, barrierefreien Eingang.Foto: Neue Apotheke am Schloss Siegmaringen

Der Vermieter ist guter Dinge: „Die Apotheke genießt einen sehr guten Ruf und kann eine gewachsene Stammkundschaft aufweisen.“ Zudem sei die Sichtbarkeit in der Innenstadt gegeben und zahlreiche Ärzte im Umfeld. „Der Verkaufsraum ist groß und vor allem barrierefrei erreichbar“, betont auch das Ehepaar Maisenbacher. „Das ist insbesondere für ältere Kundschaft wichtig und hier in der Gegend ein Alleinstellungsmerkmal.“ Es gebe zudem nur einen einzigen Mitbewerber in der Innenstadt.

Baustellenproblematik und Personalmangel

Dennoch gebe es auch eine Hürde für Nachfolger:innen: „Genau vor der Tür ist aktuell eine große Baustelle. Das macht sich auch in der Kundenfrequenz bemerkbar“, betont die Apothekerin. „Aber diese soll in etwa anderthalb Jahren fertiggestellt sein.“ Derzeit könne die Kundschaft im etwa fünf Minuten entfernten Parkhaus parken und die Apotheke dann fußläufig erreichen.

Neben der Baustellenproblematik sei auch der Personalmangel zuletzt ein Problem für die Maisenbachers gewesen. „Ich arbeite mit meinen 72 Jahren noch sehr viel in der Apotheke. Aktuell habe ich keine PKA und nur zwei halbtags PTA“, beschreibt sie die Situation. „Ich bekomme zwar jeweils einen Tag Aushilfe von einem 80-jährigen Apotheker im Handverkauf und einer Apothekerin, die bereits 70 Jahre alt ist, aber die meiste Bürokratie bleibt an mir hängen.“ Vorgestellt hatte sie sich, dass sie auch mal zwei Tage freinehmen könne. „Das war nicht möglich“, betont sie.

Potenzielle Nachfolgerin gefunden?

Auch die Notdienste stemme die 72-jährige alle selbst. „Ich möchte endlich in die wohlverdiente Rente gehen.“ Mehr Personal, um sie auch mal zu vertreten, könne sie sich schlicht nicht leisten. „Das Tarifgehalt ist ohnehin nicht hoch, eine bessere Bezahlung der Angestellten ist an und für sich schon gerechtfertigt. Aber ich kann es in meinem Betrieb nicht bewerkstelligen“, betont Maisenbacher.

Eine Hoffnungsträgerin für die Übernahme gebe es bereits, verrät Varma. „Auf meine Anzeige hin hat sich bereits eine junge Dame gemeldet.“ Sie sei Anfang 30 und sehr motiviert. „Sie möchte sich selbstständig machen und wir wollen mit ihr ins Gespräch kommen“, erklärt er. Alles Weitere müsse sich dann ergeben.

Guter Journalismus ist unbezahlbar.
Jetzt bei APOTHEKE ADHOC plus anmelden, für 0 Euro.
Melden Sie sich kostenfrei an und
lesen Sie weiter.
Bitte geben Sie eine gültige E-Mail-Adresse ein.
Newsletter
Das Wichtigste des Tages direkt in Ihr Postfach. Kostenlos!

Hinweis zum Newsletter & Datenschutz