Brauchtum

Die Apothekenmadonna kehrt heim

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Berlin -

Ein gebürtiger Grieche macht sich für katholische Traditionen stark: Apotheker Georgios Halkias gönnte der Muttergottes über seiner Apotheke in Herzogenaurach einen ausführlichen Facelift.

18 lange Monate mussten die Bürger der 23.000-Einwohner-Kleinstadt in Mittelfranken auf ihre „Schutzmantelmadonna“ verzichten. Frisch restauriert und strahlend wie seit vielen Jahren nicht, kehrte das hölzerne Kunstwerk vor Kurzem auf ihren angestammten Platz über der Apotheke am Markt zurück.

Hier arbeitet Halkias nach seinem Pharmaziestudium in Erlangen seit 1993, seit 2001 als alleiniger Besitzer. In dieser Eigenschaft übernahm er quasi die Patenschaft für die Muttergottes. Herzogenaurach vereine Tradition und Internationalität in sich, sagt der für Bündnis 90/Die Grünen auch als 3. Bürgermeister amtierende Apotheker. „Hier haben Weltkonzerne wie Adidas, Puma und Schaeffler ihren Sitz. Darum haben wir auch Amerikaner und Inder in der Stadt.“

Die „Ureinwohner“ halten ihre Traditionen hoch. Seinen Mitbürgern sei die Figur sehr wichtig, weiß Halkias. „Rechts von unserer Apotheke führt der Weg zur katholischen Kirche St. Magdalena, die katholischen Prozessionen führen am Haus vorbei.“ Mit der Zeit kam die Schutzmantelmadonna in die Jahre, die Farben verblassten und blätterten ab. Halkias beauftragte den gebürtigen Herzogenauracher Erwin Rösch mit einer fachgerechten Restauration. Der Heimatverein unterstützte ihn mit Rat und Tat.

Wer die Figur einst gestiftet hat und wann das geschehen ist, konnte auch der rührige Heimatverein nicht herausfinden. Gesichert ist, dass sie dem Spätbarock, also etwa aus der Zeit zwischen 1720 und 1770, entstammt. In den städtischen Archiven ließ sich nur der damalige Besitzer des Anwesens am Kirchenplatz ausfindig machen, das heute dem Apotheker gehört.

Viele Erben hat die Madonna in all den Jahrhunderten von ihrem herausragenden Platz kommen und gehen sehen, nicht alles was sie sah, war gleich fromm. So hatte bis in die 70er-Jahre die Traditionsgaststätte „Weißer Hahn“ hier ihre Residenz. An ihre Stelle trat 1976 die Apotheke am Markt.

Die Restauration ihrer Galionsfigur dauerte leider länger, als es seinen Mitbürgern lieb war. Rösch steckte über beide Ohren in Arbeit, die Wiederherstellung etwa von Kunstwerken im Bamberger Dom ging vor. Die Fronleichnamsprozession musste ohne die so lieb gewonnene Statue auskommen. Seit Anfang Juli wacht sie wieder in frischem Gold, Blau und Rot über die Apotheke und die vorbeikommenden Passanten. Etwa 1800 Euro hat sich Halkios den Facelift kosten lassen. „Das war es wert“, freut er sich und die Menschen im Ort freuen sich mit ihm.

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