Studie

Besorgniserregender Trend bei Sehbehinderungen dpa, 12.10.2017 12:20 Uhr

Genf - Die Zahl der Menschen mit Sehbehinderungen oder Blindheit geht weltweit seit 25 Jahren zurück, doch der Zukunftstrend ist einer neuen Studie zufolge besorgniserregend. Das Ziel der Weltgesundheitsorganisation (WHO), die vermeidbare Ursachen von Blindheit und Sehbehinderungen bis 2019 um 25 Prozent zu reduzieren, sei kaum noch erreichbar, berichtet der Verband für
Blindheitsverhütung IAPB in seinem Sehkraft-Atlas im Fachblatt „The Lancet“. Vielmehr steige der Anteil der Betroffenen bis 2020 um 5,6 Prozent.

Als vermeidbare Ursachen gelten Grauer Star und unkorrigierte Fehlsichtigkeit. „Etwa drei Viertel der Sehbehinderungen sowie 55 Prozent der Blindheit sind von Grauem Star oder unkorrigierter Fehlsichtigkeit verursacht“, sagte Johannes Trimmel, IAPB-Direktor für internationale Beziehungen.

Weltweit waren 2015 demnach 36 Millionen Menschen blind und 217 Millionen sehbehindert. 89 Prozent von ihnen lebten in Ländern mit niedrigem oder mittleren Einkommen. Die WHO hatte in ihrem Aktionsplan 2014-2019 andere Zahlen genannt, weil sie eine andere Methodik verwendete: Sie ging von 39 Millionen Blinden weltweit und 285 Millionen Menschen mit Sehschwäche aus.

Der Anteil der Blinden und Sehbehinderten sank laut IAPB von 1990 bis 2015 um vier Prozent, vor allem dank häufigerer Augenuntersuchungen in vielen Teilen der Welt. Für Deutschland schätzt der Sehkraft-Atlas, dass die Zahl der Blinden zwar in der Zeit von 233.000 auf 221.000 zurückging. Die Zahl der Sehbehinderten sei aber von 1,7 Millionen auf 1,9 Millionen gestiegen. Das liege vor allem an der alternden Bevölkerung, so Trimmel. Von den 1,9 Millionen Betroffenen waren nach seinen Angaben fast 1,8 Millionen über 50 Jahre alt.

Einige weltweite Veränderungen zwischen 1990 und 2015 im Einzelnen: Mit Hornhauttrübungen lebten rund 39 Prozent weniger Menschen als 1990, mit altersbedingter Makuladegeneration (AMD) 31 Prozent weniger, mit Grünem Star (Glaukom) zehn Prozent weniger und mit Grauem Star (Katarakt) sieben Prozent weniger. Dagegen stiegen Augenerkrankungen durch Diabetes um 25 Prozent.

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