Generikakonzerne

Stada: Aufsichtsratschef abgewählt

, , Uhr aktualisiert am 27.08.2016 00:03 Uhr
Berlin -

Stada-Aufsichtsratschef Martin Abend hat sein Amt verloren. Er wurde bei der Hauptversammlung in Frankfurt am späten Freitagabend mit 55,9 Prozent der abgegebenen Stimmen aus dem Amt gekippt. Der Wahl war ein heftiger Schlagabtausch vorausgegangen. Als Gewinner kann sich keine Partei sehen.

Abend hatte die Leitung der Versammlung gleich zu Beginn an die Berliner Rechtsanwältin Karin Arnold abgegeben, um sich keinen Vorwürfen der Befangenheit auszusetzen. Dann hatte er aber seine Position verteidigt: Um AOC zu diskreditieren, plauderte Abend über die mitunter rabiaten Methoden. Er sehe der Abstimmung mit Interesse entgegen, gab er sich kämpferisch.

Tatsächlich sah es zunächst gut für Abend aus. Nach der Debatte wurde gegen 18.30 Uhr mit den Abstimmungen begonnen. Nachdem gleich die erste Runde wegen Formalien wiederholt werden musste, ging das Votum zugunsten der bisherigen Unternehmensspitze aus: Kurz nach 20 Uhr wurden Abend und der ehemalige Vorstandschef Hartmut Retzlaff mit 74 beziehungsweise 83 Prozent der Stimmen für das Jahr 2015 entlastet. Ein Denkzettel, zugleich aber ein guter Start, immerhin forderten die aktivistischen Aktionäre die Abwahl des Chefkontrolleurs.

Danach wurden Tina Müller und Rolf Hoffmann in den Aufsichtsrat gewählt. Beide Kandidaten hatten die Unterstützung sowohl der Stada-Verwaltung als auch der aktivistischen Investoren. Die von der Stada vorgeschlagenen Kandidaten Dr. Birgit Kudlek und Dr. Gunnar Riemann erhielten beide etwas weniger als 50 Prozent der Stimmen.

Doch auch die Gegenkandidaten des aktivistischen Investors Active Ownership Capital (AOC) Hans-Joachim Krauth und Hans-Helmut Fabry bekamen mit weniger als 30 Prozent keine Mehrheit. Damit stand eine direkte Kampfabstimmung an, bei der schließlich Kudlek und Riemann gewählt wurden.

Da sich Abends Vize Carl Ferdinand Oetker gegen Ursula Schütze-Kreilkamp behaupten konnte, kam mit Eric Cornut nur ein einziger AOC-Kandidat durch. Der Investor hatte gehofft, dass der ehemalige Novartis-Manager den Vorsitz übernehmen wird. Doch der neue Aufsichtsrats wählte Carl Ferdinand Oetker zum neuen Vorsitzenden, Jens Steegers zum neuen stellvertretenden Vorsitzenden.

AOC erklärte im Nachgang, die Aktionäre hätten sich heute eindeutig für eine Erneuerung der Aufsichtsratsspitze und damit der Corporate Governance der Gesellschaft ausgesprochen. Auch sei das vorgeschlagene Vergütungssystem mit rund 75 Prozent der Stimmen krachend abgelehnt worden. Dies seien bedeutende Schritte für Stada. Richtig freuen kann man sich aber nicht: AOC wirft der Verwaltung vor, die Pattsituation durch Anwendung einer zweifelhaften Satzungsbestimmung überbrückt zu haben. Daher sei die Wahl von Kudlek und Riemann rechtlich fragwürdig und die Hauptversammlung damit anfechtbar. Man prüfe rechtliche Schritte.

Nach Medienberichten hatte AOC verschiedene Anleger auf seiner Seite, die rund 20 Prozent der Stimmrechte auf sich vereinen. Laut Stada waren aber anstelle der sonst üblichen weniger als 40 Prozent mehr als 57 Prozent erschienen. Je länger die Hauptversammlung lief, desto größer wurden die Chancen für AOC, dass Kleinanleger auf die Abstimmung verzichten. Die Teilnehmer hatten am Ende mehr als 13 Stunden in den Knochen. Vor der Kampfabstimmung gab es noch einen Abwahlantrag gegen Versammlungsleiterin.

Vorangegangen war der Abstimmung ein mehrstündiger Schlagabtausch im Saal Harmonie im Congress Centrum der Messe Frankfurt. Nachdem Konzernchef Matthias Wiedenfels Versäumnisse eingeräumt und Verbesserung versprochen hatte, warben Angreifer und Verteidiger um die Gunst der Kleinaktionäre. Am Ende wurde unter anderem eine Erhöhung der Dividende auf 0,70 Euro je Aktie beschlossen.

AOC kritisierte „Gehaltsexzesse und Vetternwirtschaft“. Stada sei in Sachen Corporate Governance so schlecht wie nur ein anderes Unternehmen: Volkswagen. Florian Schuhbauer von AOC versicherte, langfristig orientiert zu sein und das Unternehmen als Ankerinvestor in die Zukunft führen zu wollen. „AOC will Stada nicht zerschlagen“, erklärte Andreas Füchsele. „Die Schlammschlacht um Stada war auch nicht in unserem Interesse.“ Er wurde als Heuchler beschimpft.

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