OTC-Hersteller

Madaus gewinnt gegen Deutschland

, , Uhr
Berlin -

Im Streit um die Rehabilitierung des 1967 verstorbenen Pharmaunternehmers Friedemund Madaus hat Deutschland gegen das Menschenrecht auf ein faires Verfahren verstoßen. Zu diesem Urteil kommt der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg und sprach dem Kläger insgesamt 5500 Euro Entschädigung zu.

Geklagt hatte der Sohn, Udo Madaus. Dieser hatte von 2006 an erfolglos auf Rehabilitierung seines verstorbenen Vaters gedrängt, der nach dem Zweiten Weltkrieg in der Sowjetischen Besatzungszone als Nazi-Verbrecher eingestuft und enteignet worden war. Im Kern des Streits ging es um die Tatsache, dass der Betrieb nach der Wende nicht an die Familie zurück übertragen worden war.

Das Landgericht Dresden (LG) hatte den Antrag 2008 zurückgewiesen. Madaus war dagegen vergeblich bis vor das Bundesverfassungsgericht (BVerfG) gezogen. In Straßburg wehrte er sich dagegen, dass das LG für Sommer 2008 zunächst eine Verhandlung angesetzt, diese aber kurzfristig wieder abgesagt und den Fall dann schriftlich entschieden hatte.

Die Richter hatten sich daran gestört, dass Madaus' Anwälte vorab eine Pressemitteilung veröffentlicht hatten. Sie folgerten daraus, dass die Verhandlung als öffentliches Forum missbraucht werden solle. Nach Ansicht der Straßburger Richter war die Absage nicht gerechtfertigt. Eine Pressemitteilung sei dafür nicht Grund genug. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Madaus blickt auf eine lange Unternehmensgeschichte zurück. 1919 wurde der Hersteller von den drei Brüdern Dr. Gerhard Madaus, Friedemund Madaus und Hans Madaus in Bonn gegründet. 1938 wurde der Klassiker Echinacin eingeführt, der den Erfolg des Unternehmens begründete.

Der Sitz von Madaus wurde mehrmals verlegt. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Firmengelände, das sich zu dem Zeitpunkt in Radeburg bei Dresden befand, enteignet und abgebaut. 1951 wurde das Stammhaus mit dem ebenfalls enteigneten Dresdner Unternehmen Gehe zum VEB Arzneimittelwerk in Dresden zusammengelegt – einem der größten Pharmaunternehmen in der DDR.

Nach der Enteignung im Osten gründeten Friedemund und Hans Madaus die Firma im Westen neu; ihr Bruder war bereits 1942 verstorben. Hans verstarb 1959, Friedemund 1967. Die jeweiligen Kinder traten das Erbe an. 1989 wurde das Unternehmen in eine Aktiengesellschaft umgewandelt, blieb aber in Familienhand.

Wenige Jahre später drohte der Absturz: 1998 machte Madaus einen zweistelligen Millionenverlust, der Bau einer Fabrik im indischen Goa waren explodiert. Die Banken stellten die Finanzierung ein, das Eigenkapital war verbraucht. 1999 holte das Unternehmen Walter Droege zunächst als externer Berater ins Haus. Droege erwarb nach und nach 93 Prozent der Anteile; den Rest behielt die Familie.

Um anstehende Sanierungen und Erneuerungen zu finanzieren, wurden 2000 die Hälfte der Mitarbeiter entlassen. Ab 2001 übernahm Madaus verschieden deutsche und internationale Unternehmen oder beteiligte sich daran. So wurde 2002 beispielsweise die niederländische Hal Allergie übernommen; in Südafrika beteiligte sich Madaus an Byk Madaus. Die Gefahr war gebannt, der Konkurs abgewendet. Der Umsatz lag 2004 bei 357 Millionen Euro.

2007 kaufte das italienische Unternehmen Rottapharm das Pharmageschäft der Madaus-Gruppe für rund 600 Millionen Euro. 2015 übernahm der schwedische Hersteller Meda die Gruppe für rund 2,3 Milliarden Euro – der in den 1990er Jahren übrigens schon das historische Madaus-Stammwerk in Dresden übernommen hatte. Mittlerweile wurde Meda vom US-Generikakonzern Mylan aufgekauft.

Newsletter
Das Wichtigste des Tages direkt in Ihr Postfach. Kostenlos!

Hinweis zum Newsletter & Datenschutz

Lesen Sie auch
Mehr aus Ressort
Lieferdienst im Insolvenzverfahren
Mayd ist pleite

APOTHEKE ADHOC Debatte