Merckle-Imperium

Baggersee und Pistenbully

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Berlin -

Der Verkauf von Ratiopharm war der Befreiungsschlag für die Familie des 2009 verstorbenen Milliardärs Adolf Merckle. Mehr als 3,6 Milliarden Euro zahlte Teva für den Generikahersteller – genug, um die übrigen Beteiligungen zu erhalten. Neben Phoenix gehören zahlreiche Firmen zur Gruppe, darunter der Hersteller des Pistenbully, Kässbohrer. Parallel hat die Familie ihren Grundbesitz ausgebaut und sich Filetstücke in der Leipziger Seenlandschaft gesichert.

Bei Kässbohrer hat die Merckle-Familie gerade die Kleinaktionäre aus der Firma gedrängt. 2009 hatte noch der Verkauf des Herstellers von Geländefahrzeugen zur Diskussion gestanden. Weil Dank Teva die Finanzprobleme gelöst werden konnten, blieb das Unternehmen mit rund 500 Mitarbeitern im Besitz der Familie.

Kässbohrer war 1998 an die Börse gegangen; 2003 hatte Merckle die Mehrheit an der Traditionsfirma übernommen und die Kreissparkasse Biberach als weiteren Großaktionär kalt gestellt. Nach längerem Rechtsstreit verkaufte die Bank 2006 ihre Anteile an Merckle.

Nachdem am 30. April 2009 das Testament von Merckle eröffnet worden war, hatte Ludwig Merckle das unternehmerische Erbe seines Vaters angetreten. Als die Krise bewältigt war, baute der heute 50-Jährige sein Paket bei Kässbohrer auf mehr als 95 Paket aus und nahm damit die Schwelle für den sogenannten Squeeze-out. Ende September fand im Kulturhaus Schloss Großlaupheim die außerordentliche Hauptversammlung statt.

90 Prozent seines Umsatzes von zuletzt 214 Millionen Euro erzielt Kässbohrer mit kettengetriebenen Geländefahrzeugen zur Präparierung von Skipisten und Loipen, dem Pistenbully. In diesem Bereich hat die Firma zwei global aufgestellte Konkurrenten sowie zwei kleinere Wettbewerber in Asien und Europa.

Der Markt ist gesättigt und seit Jahren rückläufig, Wartung und der Handel mit Gebrauchtfahrzeugen ergänzen das Neugeschäft. Zwei Drittel des weltweiten Geschäfts entfallen auf Europa mit Frankreich, Österreich, Italien, der Schweiz und Skandinavien als wichtigsten Absatzmärkten. Der Rest verteilt sich auf Nordamerika sowie Südkorea, Japan, China und Russland.

Das zweite Geschäftssegment sind Fahrzeuge und Geräte zur Reinigung und Pflege von Stränden, die unter der Marke BeachTech vertrieben werden. Hier gibt es zwar viele Wettbewerber; Kässbohrer ist aber nach eigenen Angaben die unangefochtene Nummer 1. Die klassischen Absatzländer wie Spanien, Frankreich und Italien wurden mittlerweile von den Staaten der Vereinigten Arabischen Emirate abgelöst. Weil die verantwortlichen Kommunen aber keine größeren Investitionen wagen, ist der Mark nach wie vor klein. Weltweit hat Kässbohrer bislang mehr als 1000 Strandfahrzeuge verkauft.

Merckle hatte nach dem Tod seines Vaters im verbliebenen Imperium aufgeräumt und bei verschiedenen Firmen die Kleinaktionäre ausbezahlt. Bei F. Reichelt griff Merckle im Dezember 2012 zu; die Hamburger Firma ist mit etwa 20 Prozent am Pharmagroßhändler Phoenix beteiligt.

Zur Merckle-Gruppe gehören – neben zahlreichen kleineren Firmen und etlichen Immobilien – die VEM-Gruppe sowie 26 Prozent der Aktien an HeidelbergCement und 50 Prozent der Zollern-Gruppe.

Die Ifen-Bergbahn im Kleinwalsertal hat die Familie 2009 verkauft. Merckles Firma Blauwald gehören 8500 Hektar Forstflächen, überwiegend in Baden-Württemberg und Mecklenburg-Vorpommern. Die Schwesterfirma Blauwasser hat 2000 Hektar Binnenseeflächen samt angrenzender Ufergebiete im Bestand, vor allem in Sachsen (Leipziger Neuseenland) und Sachsen-Anhalt.

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