Großhandelskonditionen

Phagro: Nichts zu tun mit Skonto-Angriff

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Berlin -

Die Wettbewerbszentrale will die Rechtmäßigkeit von Großhandelsskonti überprüfen lassen und hat AEP abgemahnt. Der Newcomer vermutet eine konzertierte Aktion hinter dem Angriff. Phagro-Chef Dr. Thomas Trümper versichert dagegen, dass der Verband nicht hinter der Abmahnung steckt. Auch die beiden Gutachten zum Thema habe der Phagro weder beauftragt noch bezahlt.

Trümper bestreitet nicht, dass Skonti im Phagro besprochen wurden, es gebe aber keine offizielle Position dazu. „Wir haben grundsätzlich die Strategie, uns als Verband nicht in die bilateralen Angelegenheiten unserer Mitglieder zu hängen. Das sind letztlich Konditionsfragen“, so der Phagro-Vorsitzende, der auch Aufsichtsratschef bei Alliance Healthcare Deutschland ist.

Trümper betont, dass der Phagro nicht hinter der Abmahnung steckt: „Ich habe erst durch APOTHEKE ADHOC davon erfahren.“ AEP-Geschäftsführer Jens Graefe habe ihm zudem eine SMS geschrieben und nach der Position des Phagro gefragt.

Graefe zufolge hat Trümper erklärt, der Phagro teile die Meinung von Dr. Elmar Mand, er persönlich sogar eine wesentlich restriktivere. „Da muss er mich falsch verstanden haben“, kontert Trümper. Auf die SMS von Graefe habe er lediglich geantwortet, dass es einen Aufsatz von Mand gebe, der im Phagro positiv gesehen werde.

Überrascht habe ihn die Entwicklung jedoch nicht: „Die Abmahnung hat AEP selbst provoziert. Wer Autos mit seinen Konditionen besprüht, muss sich nicht wundern, wenn die Wettbewerbszentrale aufmerksam wird“, so Trümper. Gerade vor dem Hintergrund der existierenden Gutachten sei es leichtsinnig, Rabatt und Skonto als Gesamtkondition zusammenzufassen, so der Phagro-Chef. An der rechtlichen Bewertung ändere dies natürlich nichts.

Die Klärung müsse jetzt erfolgen. „Es gibt zwei Rechtsgutachten zu dem Thema, die ich persönlich für sehr substanziiert und gut begründet halte“, so Trümper. Endgültige Rechtssicherheit habe man aber erst nach einem Gerichtsentscheid. Die Hoffnung von AEP auf einen gemeinsamen Musterprozess scheint allerdings vergebens: „Ich glaube nicht, dass sich der Phagro an dem Verfahren beteiligen wird“, so Trümper.

Dass mit den Skonti für die Apotheken letztlich auch die Einkaufsvorteile des Großhandels gegenüber der Industrie wegfallen könnten, erwartet der Phagro-Chef nicht. „Ich sehe das nicht als Gefahr. Das ist nicht übertragbar.“

Als Wettbewerbsinstrument sind Skonti Trümper zufolge nicht von großer Bedeutung: Der durchschnittliche Skontosatz der im Phagro zusammengeschlossenen Großhändler liege deutlich unter den 2 Prozent von AEP. Skonto sei zwar ein wichtiges Instrument zur Lenkung der Zahlungsströme, in Zeiten niedriger Zinsen sei dies jedoch ein eher stumpfes Schwert.

Von Bedeutung seien heute vor allem die Frage der Risiken der Außenstände, so Trümper. Das gilt dem Phagro-Chef zufolge vor allem für Großhändler, die in einen Konzern integriert sind. Denn bei den Großkonzernen gebe es Quartalsbilanzen. Als Steuerungselement seien Skonti daher noch immer wichtig: „Wenn es nicht eine gewisse Bedeutung hätte, würden wir die Diskussion nicht führen“, so Trümper.

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