Großhändler

Otto Geilenkirchen verstorben

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Berlin -

Der Aachener Großhändler Otto Geilenkirchen hat seinen Seniorchef verloren: Der gleichnamige geschäftsführende Gesellschafter verstarb am 15. April im Alter von 88 Jahren. Sohn Lutz führt das Familienunternehmen fort.

Geboren wurde Otto Geilenkirchen 1926, im Jahr der Firmengründung. Nach Entlassung aus der Kriegsgefangenschaft trat er 1947 in das von seinem Vater gegründete Unternehmen ein. Die im Krieg komplett zerstörten Häuser in Aachen und Mönchengladbach wurden wieder aufgebaut.

In der väterlichen Firma durchlief Geilenkirchen seine Ausbildung zum Pharma-Großhandelskaufmann. Auch bei anderen Großhändlern sammelte er Berufserfahrung. Anfang der 50er Jahre übernahm er die Geschäftsführung, seit 1966 als Mitinhaber des Unternehmens. Nach dem Tod des Vaters 1976 wurde er Alleininhaber.

Geilenkirchen baute den Familienbetrieb im Laufe der Jahrzehnte zum Partner von mehr 650 Apotheken im westlichen Nordrhein-Westfalen aus. „Dabei lagen ihm nicht nur seine Apothekenkunden am Herzen, sondern stets auch das Wohl seiner Mitarbeiter, für die er immer ein offenes Ohr hatte und denen er vielfach ein väterlicher Freund war“, so das Unternehmen.

Das operative Geschäft hat schon vor Jahren Sohn Lutz übernommen, der 1992 in das väterliche Unternehmen eingetreten war. Trotzdem war Geilenkirchen bis vor wenigen Wochen noch täglich in der Firma präsent: „Jeden Vormittag saß er im Büro, las Fachpresse und Verbandsrundschreiben und war überall involviert“, so Kämmerling.

Zuletzt hatte sich der Senior unter anderem um den Ausbau der Filiale in Mönchengladbach gekümmert. Auf rund 2500 Quadratmetern entstand dort 2012 eine neue Logistikhalle mit optimiertem Kommissionierbereich und neuer Versandhalle. „Neben seinen Kenntnissen im Pharmagroßhandel war er im Bauwesen sehr versiert und interessiert“, sagt Lothar Kämmerling, Leiter der Hauptniederlassung Aachen. „Er war viel im Gespräch mit Architekten und Baufirmen, das war sein 'Ding'.“ Sogar eine Webcam habe er sich auf der Baustelle in Mönchengladbach installieren lassen, um in seinem Aachener Büro den baulichen Fortschritt live mitverfolgen zu können.

Außerdem sei er dank seiner Branchenkenntnisse gern gesehener Gesprächspartner für politische Gäste aus Deutschland und Europa gewesen, die sich im Unternehmen über die Besonderheiten des Arzneimittelhandels informiert hätten, so das Unternehmen.

In der Freizeit ging Geilenkirchen in der nahegelegenen Eifel gern auf die Jagd. Die Leidenschaft aufgreifend schenkten ihm seine Kunden an seinem 85jährigen Geburtstag vor dreieinhalb Jahren eine Matte mit der Aufschrift „Platzhirsch“. Zudem war Geilenkirchen als Pferdefreund mehr als 50 Jahre Mitglied des Aachen-Laurensberger-Rennvereins sowie etliche Jahre in der IHK-Vollversammlung. Auch ehrenamtlich war Geilenkirchen aktiv und setzte sich für kranke und bedürftige Kinder ein.

Der Senior hinterlässt drei Kinder und drei Enkel. Sohn Lutz ist jetzt alleiniger geschäftsführender Gesellschafter des Unternehmens: „Ich sehe es als Verpflichtung, das Lebenswerk meines Vaters fortzuführen. Sein Grundsatz, dass der Kunde für uns keine Nummer ist, sondern ein Mensch aus Fleisch und Blut, hat nach wie vor Bestand und gilt im Übrigen auch für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.“

Neben Lutz Geilenkirchen sind auch dessen Schwestern Ute Geilenkirchen-Thomé und Ann Dwornik Gesellschafter des Familienunternehmens. Derzeit hat das Unternehmen rund 250 Mitarbeiter. Nachdem die Sanacorp Anfang 2009 den Mitbewerber von der Linde übernommen hat, ist Geilenkirchen der einzige private Anbieter in Nordrhein-Westfalen.

 

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