Generikakonzerne

Apotheken-Premiere für Teva-Chef

, Uhr
Berlin -

Die Ulmer A4-Apotheke hatte heute hohen Besuch: Teva-Chef Erez Vigodman hat sich den Arbeitsalltag zeigen lassen. Der CEO des weltgrößten israelischen Generikakonzerns war etwa eine halbe Stunde vor Ort und informierte sich über die Rabattverträge, die Distribution und das Abrechnungssystem.

Vigodman ist als Teva-Chef erstmals in Deutschland. Mit dem Apothekensystem ist er nicht vertraut. Apotheker Martin Schad führte ihn durch die Offizin. „Das war spannend. So einen Besuch hat man nicht alle Tage“, sagte der Filialleiter der Braunland-Apotheke, der seinen Kollegen urlaubsbedingt vertreten hatte.

Bei seinem Besuch staunte Vigodman beispielsweise darüber, wie der Markt im Generikabereich reguliert ist. Er habe sich über Rabattverträge informiert und nach Wünschen aus der Apotheke gefragt, so Schad. „Wir haben gesagt, dass längere Laufzeiten besser wären.“ Zudem habe er wissen wollen, wie oft die Apotheke beliefert werde, was Patienten selbst zahlen müssten und wie hoch der Versandanteil sei. „Er war sehr freundlich, zurückhaltend und interessiert.“

Vigodman sei deutlich geworden, dass Teva mit Ratiopharm aufgrund der Ausschreibungen ein alle Krankheitsgebiete abdeckendes Produktportfolio vorhalten müsse, um konkurrenzfähig zu bleiben, so der Konzern. Er wurde von Deutschland-Chef Dr. Markus Leyck Dieken und Marketingleiterin Dagmar Siebert begleitet. Insgesamt seien etwa acht Gäste von Teva in der Apotheke gewesen.

Der Besuch in der A4-Apotheke wurde von Teva angefragt. „Man wollte eine Apotheke mittlerer Größe“, so Schad. Die G+S Apotheken von Dr. Dieter Benz und seiner Tochter Sabine Benz-Klemm hatten bereits 2013 in der Hauptapotheke Besuch von der Teva-Führung: Der damalige Teva-Chef Dr. Jeremy Levin ließ sich die Hirsch-Apotheke zeigen.

Sein Nachfolger besucht heute im Anschluss die Biotechnologie in Ulm und die Produktion in Blaubeuren/Weiler. Danach fliegt er nach Berlin. Dort wird er sich über die Vermarktung aller innovativen Arzneimittel in Deutschland informieren. Weitere Stationen in Deutschland seien nicht vorgesehen, sagt eine Sprecherin.

Am ehemaligen Ratiopharm-Standort wurde vergangene Woche ein neues Technologiezentrum eröffnet. Im Global Technology Center (GTC) sollen zukunftsträchtige Technologien auf ihre Anwendbarkeit in der Herstellung neuer Medikamente getestet werden. Ein Fokus liege in der Herstellung von Arzneiformen mittels neuartiger Technologie wie dem 3D-Druck.

Bereits Ende 2015 ließ die US-Arzneimittelbehörde FDA in den USA das weltweit erste 3D-gedruckte Medikament zu. „Mit der Entscheidung für den Aufbau des GTC übernimmt Ulm neben der wichtigen Standortstärkung auch eine Vorreiterrolle für innovative und technologische Entwicklungen im Konzern Teva“, sagte Dr. Gerald Huber, Geschäftsführer und Leiter des Bereichs generischen Forschung & Entwicklung Europa und Japan.

Dass der Konzern Ulm für den Standort des GTC gewählt hat, liegt laut Dr. Michael Hayden an der optimalen wissenschaftlichen Infrastruktur. „Und zusammen mit dem am Ulmer Standort bereits existierendem Know-how der Mitarbeiter, verspricht es den perfekten Mix aus Erfindergeist und Expertise, um diese Innovation voranzutreiben“, so der Chef der globalen Abteilung Forschung und Entwicklung.

Zudem beginnt in Ulm in Kürze der Bau einer Biotech-Produktionsanlage. Innerhalb von zwei Jahren soll eine bisherige Mehrzweckanlage zur Herstellung von biotechnologischen Originalprodukten und Biosimilars in den Bereichen Qualitätskontrolle, Verwaltung und Infrastruktur erweitert werden. Insgesamt soll ein höherer dreistelliger Millionenbetrag investiert werden – die größte Einzelinvestition in einen Standort. 300 neue Arbeitsplätze sind geplant. Der Konzern erzielte im Jahr 2015 mit rund 43.000 Mitarbeitern einen Gesamtumsatz von 19,7 Milliarden US-Dollar.

Newsletter
Das Wichtigste des Tages direkt in Ihr Postfach. Kostenlos!

Hinweis zum Newsletter & Datenschutz

Mehr zum Thema
Neue Regelung zu Biosimilar-Austausch
Ab 1. Juni: Änderung der Hilfstaxe
Fertiglösung statt Rezeptur
Apotheker entwickeln Glucose-Toleranztest

APOTHEKE ADHOC Debatte