Betrug bei Bioresonanzmessungen

Bioscan: Haft- und Geldstrafen für drei Mitarbeiter

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Berlin -

Bioresonanzanalysen waren bereits seit längerem umstritten. Jetzt hat das Amtsgericht Reutlingen drei Manager der Firma Institut Dr. Rilling wegen Betrugs mit seinem Bioscan-Gerät verurteilt.

Ohne Blutentnahme sollten sogenannte Bioresonanzgeräte Blut- und Nährstoffwerte im Körper messen und damit eine Labordiagnose ersetzen, so das Versprechen des Herstellers. Dazu mussten Kunden nur eine Minute lang zwei Sensorstäbe in der Hand halten. Auf einem Bildschirm konnte verfolgt werden, wie angeblich nach und nach Organe und Körperfunktionen gescannt wurden. Magnetische Wellen würden 200 medizinisch wichtige Gesundheitsdaten erfassen, etwa den Cholesterin- oder Testosteronwert.

Doch vor dem Amtsgericht Reutlingen wurde das jetzt juristisch überprüft. Gutachter kamen laut SWR zu dem Ergebnis, dass das Gerät nichts misst – „außer den Strom, der durch die Kabel fließt“. Der Vorsitzende Richter sah es daher laut Bericht als erwiesen an, dass der Hersteller nutzlose Geräte verkauft habe: „Ein Messgerät, das nichts misst, ist ungefähr so sinnvoll wie ein Auto, das nicht fährt“, wird er im Beitrag zitiert.

Entsprechend müssen sich drei führende Mitarbeiter:innen nun wegen gewerbsmäßigen Betrugs und Verstößen gegen das Heilmittelwerbegesetz (HWG) verantworten. Die beiden Firmenchefs, zwei Brüder, deren Vater als Arzt die „Biotonometrie“ ins Leben gerufen hatte, müssen laut SWR für zwei beziehungsweise drei Jahre in Haft und eine Gesamtstrafe von über 2,5 Millionen Euro zahlen. Eine ehemalige Vertriebsdirektorin wurde zu einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen verurteilt.

Laut SWR hat das Unternehmen mit den Geräten knapp sechs Millionen Euro verdient. Die Geräte seien bis zuletzt in Deutschland, aber auch in Österreich und in der Schweiz verkauft worden.

Auch in Apotheken wurden die Geräte eingesetzt, was schon vor drei Jahren den NDR auf den Plan rief. „Abzocke mit dubiosen Bioresonanzgeräten, wie manche Ärzte und Apotheker Kasse machen“, hieß es in dem Bericht. Nach den Tests solle man „teure Tabletten“ kaufen.

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