Darm-Hirn-Achse: Kopf gegen Bauch

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Studienlage

In Tierversuchen konnte die Bedeutung der Darm-Hirn-Achse bestätigt werden: Transplantiert man keimfreien Mäusen Darmbakterien kranker Menschen, entwickelten die Nager sowohl Symptome der Darmkrankheit als auch ängstliches Verhalten. Das zeigt, dass eine gestörte Darmflora nicht nur die Folge eines durch andere Faktoren ausgelösten Reizdarms ist. Das Experiment bestätigte, dass Darmkeime spezielle Hirnfunktionen beeinflussen können. Sie können zu neurologischen Erkrankungen und psychischen Störungen beitragen.

Drei Wochen nach der Transplantation hatten die Tiere mehrere Symptome eines Reizdarms entwickelt: Die Darmpassage der Nahrung war beschleunigt, die Barrierefunktion der Darmwand war geschädigt und Entzündungsreaktionen traten verstärkt auf. Es konnte beobachtet werden, dass Mäuse, die den Kot von Angstpatienten erhielten, selber ein stärker ausgeprägtes ängstliches Verhalten entwickelten.

Wissenschaftler vermuten, dass die Entstehung chronischer Krankheiten vom Darmbiom ausgehen kann. Ein Beispiel ist der Einfluss der essentiellen Aminosäure Tryptophan auf chronisch-entzündliche Erkrankungen. Wissenschaftler des Instituts für klinische Molekularbiologie in Kiel konnten zeigen, dass ein Zusammenhang zwischen Tryptophan und der Entstehung von Multipler Sklerose (MS) besteht. „Durch das Weglassen der Aminosäure Tryptophan verändert sich die Zusammensetzung der Darmbakterien, die ein bisher unbekanntes Signal an die Immunzellen senden“, so die Forscher. Dadurch könnte die Entstehung von MS verhindert werden. Welche Mechanismen genau hinter dieser Art der Informationsweiterleitung stecken konnten die Wissenschaftler bisher nicht klären.

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