Rettungssanitäterin im Einsatz

Mobile Apotheke an der ukrainischen Front

, Uhr
Berlin -

Die Menschen in den umkämpften Gebieten der Ukraine brauchen Unterstützung in vielen Lebensbereichen, so auch bei Arzneimitteln. Benötigt werden Blutdrucksenker genauso wie Präparate für den Einsatz bei Erkältungen und Grippe-Infektionen. Die 25-Jährige Lea Ocken aus Ostfriesland ist mit kompletter Schutzausrüstung in der Ukraine unterwegs, um den Menschen vor Ort zu helfen und Arzneimittelspenden zu verteilen.

Die Freiwillige ist schon länger helfend in der Ukraine unterwegs, seit einem Jahr wird sie dabei vom Verein Humanitäre Soforthilfe Ammerland-Ostfriesland unterstützt. „Natürlich ist es mit Risiken verbunden, im Frontgebiet der Ukraine unterwegs zu sein“, so Ocken. „Und sicherlich ist auch etwas daran, dass Menschen Risiken irgendwann ausblenden. Aber die anderen internationalen freiwilligen Helferinnen und Helfer in der Ukraine und ich sind keinesfalls leichtfertig bei unserer Arbeit. Wir bereiten uns sehr bewusst und mit aller Vorsicht und Rücksichtnahme auf unsere Einsätze vor. Wir bekommen aus den unterschiedlichsten Kanälen vorab Informationen, wir tragen Schutzausrüstung und Helme und sind natürlich nie allein unterwegs, sondern mindestens zu dritt oder zu viert. Aber ein Restrisiko bleibt natürlich“, sagt sie über ihre Arbeit.

Eigentlich wollte Ocken in Hamburg Rettungsingenieurwesen studieren, nach Kriegsausbruch ging es ihr aber einfach nur um aktive Hilfe. Nun ist sie vor allem im Osten und Südosten der Ukraine im Einsatz. Gemeinsam mit anderen Freiwilligen versorgt sie die vor allem älteren Menschen, die trotz Krieg geblieben sind. Bis zu 35 verschiedene Arzneimittel führen die Helfer:innen in ihrer mobilen Apotheke mit sich, von Blutdrucksenker über Durchfall-Präparate bis zu Fiebersenker.

Zusammen mit ihrem Team gründete Ocken Anfang 2022 Universal Aid Ukraine und ist mit ihrer eigenen inzwischen offiziell anerkannten NGO entlang der Frontlinie im Donbas im Einsatz. Verteilt werden neben Arzneimitteln auch andere lebenswichtige humanitäre Güter wie Lebensmittel. Aber auch um die Wasserversorgung und Evakuierungen von gefährdeten Zivilisten kümmern sich Ocken und ihr Team. Zu Weihnachten verteilten sie in den Dörfern der Kriegsregion Geschenktüten mit Kaffee, Schokolade, Wollsocken und Kerzen.

Lebensgefährlicher Einsatz, wo es keine Gesundheitsversorgung mehr gibt

Die Arzneimittel, die in der Ukraine verteilt werden, werden unter anderem von Geldspenden der Vereine wie die Humanitäre Soforthilfe Ammerland-Ostfriesland finanziert oder sind Spenden ungeöffneter oder geöffneter Präparate, die nach Absprache ebenfalls dem Verein zur Verfügung gestellt werden können.

„Wir unterstützen Lea mit ihrer mobilen Apotheke jetzt jeden Monat mit 500 Euro, weil ihr Einsatz für Menschen in Not auch unserem Verständnis von Hilfe entspricht“, sagt Louisa Baar. Sie ist Vorsitzende von Humanitäre Soforthilfe Ammerland-Ostfriesland. „Wir haben festgestellt, dass die dringend notwendigen Medikamente, die wir als Spenden erhalten, für Mitarbeitende in Krankenhäusern und Arztpraxen und andere aus dem medizinischen Bereich gut geeignet sind, sie haben das Fachwissen und können die Medikamente bei Patienten gezielt einsetzen.“

Die Landbevölkerung setze hingegen verständlicherweise eher auf Arzneimittel, die sie kennen und mit Aufdrucken in kyrillischer Sprache. Daher kauft Ocken von den ihr zur Verfügung gestellten Geldern auch vor Ort Arzneimittel, die dann verteilt werden. Für diese Unterstützung bedankt sie sich vor einigen Wochen unter anderem auch in einem Video auf den sozialen Kanälen des Vereins. Sie berichtet darin, dass sie zuletzt Arzneimittel für 1300 Euro eingekauft haben, die sie nun in der umkämpften Stadt Awdijiwka verteilen. Die Menschen vor Ort leben vor allem in Bunkern und Kellern.

Newsletter
Das Wichtigste des Tages direkt in Ihr Postfach. Kostenlos!

Hinweis zum Newsletter & Datenschutz

Neuere Artikel zum Thema
Mehr zum Thema
Vorteile auf allen Seiten
Abholautomat: „Retter in der Not“
Bürokratie, Dauermedikation, Rabattverträge
Syrische Apothekerin: „In Deutschland ist vieles komplizierter“
Mehr aus Ressort
Bürgermeisterin will regulierte Ausgabe
Amsterdam: Kokain und MDMA bald in Apotheken?
Flächendeckende Digitalisierung
E-Rezept: Österreich gewinnt Innovationspreis

APOTHEKE ADHOC Debatte