Tschechische Republik

Kommunen greifen Apotheken an

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In Tschechien haben sich die Landkreise den Unmut der Apotheker zugezogen: Seit dem Monatswechsel werden in den kommunalen Gesundheitseinrichtungen keine Gebühren mehr erhoben. Was auf den ersten Blick gut klingt, hat seine Tücken: Denn auch in den ambulant tätigen Krankenhausapotheken entfällt damit neuerdings die Zuzahlung. Die Inhaber der niedergelassenen Apotheken laufen Sturm gegen die Benachteiligung.

Die erst vor einem Jahr eingeführten Gesundheitsgebühren sind im Wahlkampf im vergangenen Herbst ein wichtiges Thema gewesen. Nachdem die Sozialdemokraten in allen 13 Landkreise als Sieger hervorgegangen waren, setzten sie nun ihr Wahlversprechen um. Allerdings gibt es je nach Landkreis erhebliche Unterschiede; in Prag, wo keine Wahlen stattfanden, müssen die Patienten sogar weiterhin komplett zuzahlen.

Die Rezeptgebühr in Höhe von 30 Kronen, umgerechnet 1,20 Euro, veranlasst offenbar zahlreiche Patienten, ihre Rezepte in den Apotheken der kommunalen Krankenhäuser einzulösen. Demgegenüber beklagen einige selbstständige Apotheker bereits einen erneuten Rückgang der Kundenfrequenz. Erst mit der Einführung der Zuzahlungen hatten die tschechischen Pharmazeuten Umsatzeinbußen hinnehmen müssen.

Nun sind die ersten Apotheken dazu übergegangen, ihren Kunden Rabatte in der Höhe der Zuzahlung zu gewähren. Dies hatte zuletzt auch der tschechische Apothekerverband empfohlen, der den unlauteren Wettbewerb der Klinikapotheken kritisiert. Mittlerweile hat sich offenbar auch die Arzneimittelaufsicht eingeschaltet und verschiedene Krankenhausapotheken inspiziert.

Seit 2008 mussten alle Patienten pro Arztbesuch und Arzneimittelpackung 30 Kronen zuzahlen. Im Krankenhaus wurden pro Tag 60 Kronen, bei Einlieferung in die Notaufnahme sogar 90 Kronen berechnet. Lediglich Kinder unter drei Jahren waren von der Zahlung befreit, die eine Höchstgrenze von 5000 Kronen hatte. Die Regierung hatte auf Einnahmen von rund 130 Millionen Euro sowie eine Reduktion der Arztebesuche gehofft.

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