Spanien

Hilfszahlungen für kleine Apotheken

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Spanien muss sparen: Um nicht noch tiefer in den Euro-Krisen-Strudel zu geraten, peilt die Regierung umfangreiche Maßnahmen an. Große Entlastungen erhofft sich die Regierung im Arzneimittelbereich: Gesundheitsministerin Leire Pajin kündigte ein Gesetz an, mit dem im Gesundheitssystem jährlich 2,5 Milliarden Euro gespart werden sollen. Außer Preissenkungen bei Arzneimitteln und einer obligatorischen Wirkstoffverschreibung sind Kosten-Nutzen-Bewertungen von neuen Medikamenten geplant. Die Apotheker fürchten Verluste. Für kleine Apotheken auf dem Land plant die Regierung daher Ausgleichszahlungen.

Weil Spaniens Apotheker über eine prozentuale Marge honoriert werden, fürchten sie herbe Verluste. „Ohne nach anderen Einsparmöglichkeiten zu suchen, greift die Regierung inzwischen zum 16. Mal in zehn Jahren den Arzneimittelbereich an, was schwerwiegende Folgen für die Apotheken hat“, heißt es in einer Mitteilung des spanischen Apothekerverbandes. Offensichtlich sei der Großteil dieser Maßnahmen jedoch ineffizient gewesen.

Doch die Regierung scheint sich der Auswirkungen des Gesetzes auf Apotheken bewusst zu sein: „Apotheken auf dem Land machen ihre Gewinne fast ausschließlich mit verschreibungspflichtigen Medikamenten. Bei so großen Preisreduzierungen müssen wir Ausgleiche schaffen“, sagt ein Ministeriumssprecher. Am 19. August will das spanische Regierungskabinett über das Gesetz entscheiden. Dann soll auch festgelegt werden, in welcher Höhe und Form die Ausgleichszahlungen für ländliche Apotheken erfolgen.

Laut Entwurf soll das Referenzpreismodell überarbeitet werden: Nach zehn Jahren auf dem Markt sollen Medikamente in Wirkstoffgruppen eingegliedert werden. In diesen Gruppen gilt der niedrigste Preis als Referenzpreis. Ob die Maßnahme zu großen Einsparungen führt, bleibt allerdings abzuwarten: Schon heute müssen Hersteller nämlich ihre Preise anpassen. Einziger Unterschied: Die Anpassung kann nach zehn Jahren schrittweise über einen Zeitraum von zwei Jahren erfolgen.

Auch bei Originalpräparaten will die Regierung sparen: Wenn keine Vergleichspreise vorhanden sind, soll der Preis des Originalpräparats nach zehn Jahren automatisch um 15 Prozent gesenkt werden.

Bevor neue Medikamente zu Lasten der Krankenversicherung abgerechnet werden können, sollen sich Kosten-Nutzen-Bewertungen unterziehen. Auch hier sind die Pläne jedoch vage: Das Gesundheitsministerium soll ein Komitee einberufen, das den Prüfprozess erarbeiten soll. Wenn es vergleichbare Therapien gibt, soll der Preis des neuen Medikamentes angepasst werden. „In Zukunft sollen nur noch Medikamente von der Gemeinschaft finanziert werden, die einen echten Vorteil für die Gesundheit der Bürger haben“, heißt es in dem Entwurf.

Um die Generikaquote zu erhöhen, sollen Ärzte nur noch Wirkstoffe verschreiben. Schon heute sind etwa 40 Prozent aller spanischen Rezepte Wirkstoffverschreibungen. Der Apotheker hat die Pflicht, das günstigste Medikament abzugeben.

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