Griechenland

Troika erzwingt Apothekenketten

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Athen -

Eigentlich ist die Ausgestaltung der Arzneimittelversorgung Sache der EU-Mitgliedstaaten. So hat es der Europäische Gerichtshof (EuGH) entschieden. Doch die Troika aus EU, Internationalem Währungsfonds (IWF) und Europäischer Zentralbank (EZB) hat ihre Hilfe auch davon abhängig gemacht, dass der Apothekenmarkt liberalisiert wird. Lange hat sich die griechische Regierung dagegen gesperrt. Doch jetzt kapituliert die Politik vor dem Kapital: Am Sonntag soll das Parlament ein Gesetz verabschieden, das eine vollständige Liberalisierung vorsieht. 

Den Plänen zufolge sollen das bestehende System der Bedarfsplanung sowie das Fremd- und Mehrbesitzverbot abgeschafft werden. Außerdem sollen OTC-Medikamente künftig auch in Supermärkten verkauft werden können. Allerdings liegt noch kein Gesetzentwurf vor, sodass die Details noch nicht feststehen.

Aus Protest sind die griechischen Apotheker jedenfalls heute in den Streik getreten. Mindestens bis Mittwoch soll der Ausstand andauern; bis dahin werden einige wenige Apotheken für Notfälle geöffnet bleiben.

„Wir wenden uns gegen die Zerstörung der Apotheken und die Abwertung des Gesundheitssystems des Landes“, erklärte Apothekerpräsident Kyriakos Theodosiades. Bereits seit Jahren sind die griechischen Pharmazeuten im Ausnahmezustand: Finanzielle Einschnitte und Verzögerungen bei der Erstattung haben sie seit 2010 immer wieder auf die Straße getrieben.

Allzu viel zu erwarten ist von der Liberalisierung vermutlich nicht. Denn schon heute ist in Griechenland die Apothekendichte im europäischen Vergleich am höchsten: Rein rechnerisch versorgt jede der rund 11.500 Apotheken rund 1000 Einwohner. Zum Vergleich: In Deutschland sind es etwa 3800.

An dieser Situation konnte bislang auch die 1997 eingeführte Bedarfsplanung nichts ändern. Jetzt fürchten die Apotheker, dass es ohne Zulassungsbeschränkungen noch schlimmer werden könnte.

Bereits zu Beginn der Finanzkrise hatte die Troika durchgesetzt, dass beispielsweise Konzessionen für Taxifahrer abgeschafft werden mussten. Die Öffnung zahlreicher sogenannter geschlossener Berufe stand seitdem auf der Agenda und ist jetzt eine der Voraussetzungen für weitere Finanzhilfen für Griechenland. Am Sonntag soll das Parlament ein entsprechendes Gesetz verabschieden.

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