Großbritannien

Bürger wollen Steuern von Boots

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Bürgerproteste der besonderen Art in Großbritannien: In den vergangenen zwei Wochen demonstrierten mehrere hundert Menschen vor Filialen der Apothekenkette Boots. Die Protestler werfen dem Konzern Steuerumgehung vor: Seit die Holding 2008 formal ins schweizerische Zug umgezogen ist, entgehen dem Fiskus im Königreich nach Angaben der Tageszeitung „The Guardian“ jährlich 100 Millionen Britische Pfund.

Vor allem große Boots-Flilialen in den Städten Oxford, Lewes und Brighton sind seit Ende Januar von den Demonstrationen betroffen. Medienberichten zufolge wurden die Boots-Filialen teilweise beschädigt und mussten zeitweise schließen. In Oxford gab es sogar Verletzte.

Zu den Demonstrationen aufgerufen hatte „UK Uncut“. Die Organisation, die ihre Aktionen im Internet plant, wirft auch dem Netzbetreiber Vodafone, der Textilgruppe TopShop sowie der britischen Bank HSBC Steuerumgehung vor.

Boots hingegen ist sich keiner Schuld bewusst. Schließlich würde das operative Geschäft im Vereinigten Königreich koordiniert. Man befolge in jeglicher Hinsicht die britischen Steuergesetze. „Wir haben uns für die Schweiz als Holdingsitz entschieden, weil es die immer internationaler werdende Natur unseres Konzerns widerspiegelt“, so eine Konzernsprecherin. Man habe sich nicht nur aus Steuergründen in der Schweiz registriert: Wäre es nur um die Steuern gegangen, hätte man sich schließlich auch in vielen anderen Ländern registrieren lassen können, so das Argument.

Tatsächlich sind die Eigentümer, Firmenchef Stefano Pessina und der amerikanische Private-Equity-Konzern KKR, als globale Player äußerst versiert in Steuerfragen: Die Dachgesellschaft der schweizerischen Holding sitzt in Gibraltar; Pessinas Vermögensverwaltung ist formal in Luxemburg angesiedelt, der Privatmann in Monaco gemeldet. Die KKR-Fonds sind auf den Cayman-Islands, in Kanada und auf Guernsey registriert.

Für 12,45 Milliarden Britische Pfund hatten Pessina und KKR Alliance Boots im Juni 2007 von der Börse genommen; es war die bis dahin größte fremdfinanzierte Übernahme (Leveraged Buy-out) in Europa.

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