Australien

Apotheker streiken für mehr Lohn

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Berlin -

Im Süden Australiens haben Apotheker der Kette National Pharmacies für eine Stunde ihre Arbeit niedergelegt. Sie wehren sich damit gegen stagnierende Löhne. Die Streiks könnten ausgedehnt werden, sagt Kampagnenleiter Matt Harris vom Verband der angestellten Apotheker.

53 Apotheken in South Australia und Victoria waren von den Streiks betroffen: Mehr als 100 Apotheker erschienen am Morgen eine Stunde später bei ihrer Arbeit. Grund für die Arbeitsniederlegung waren gescheiterte Gehaltsverhandlungen mit der Apothekengruppe National Pharmacies. Nie zuvor hätten Apotheker in Australien gestreikt; ihre Aktion sei ein „letztes Mittel“, so Harris.

Zwölf Monate lang haben die Apotheker zuvor mit der Kooperative verhandelt. Ergebnis: Die Löhne sollen jedes Jahr um 1 Prozent angehoben werden. Neu eingestellte Apotheker sollen bei dem Verbund jedoch einen um vier australische Dollar geringeren Stundenlohn als ihre Kollegen erhalten. Zugleich sollen die Zuschläge für Nacht- oder Wochenendarbeit gekürzt werden.

Die Apotheker sind mit dem Ausgang der Verhandlungen nicht zufrieden. In den vergangenen zwei Jahren haben sie gar keine Gehaltserhöhung bekommen. Sollte National Pharmacies ihnen nicht entgegen kommen, drohen sie mit einem tagelangen Streik. Auch Angestellte anderer Apothekengruppen beobachteten die Aktion, so Harris.

Verglichen mit anderen Berufen würden Apotheker schlecht entlohnt, sagt Harris. Laut einer Studie von Graduate Careers Australia erhielten Pharmazieabsolventen 2014 im Durchschnitt ein Einstiegsgehalt von 44.300 Dollar – damit waren sie die am schlechtesten bezahlten Akademiker. Das sei nicht nachhaltig: „Wer den Kunden eine qualitativ hochwertige pharmazeutische Versorgung anbieten will, der muss seine angestellten Apotheker entsprechend entlohnen“, so Harris.

National Pharmacies entschuldigte sich in einem Statement bei seinen Kunden und Mitgliedern für etwaige Schwierigkeiten. Die Organisation erklärte, dass sie sich dem Druck eines „umkämpften und unsicheren Markts“ habe beugen müssen und sich daher dem Rest der Branche anpasse. Im Vergleich zu Kollegen, die in der Industrie arbeiteten, seien die Arbeitskonditionen der Apotheker von National Pharmacies „deutlich besser“, teilte die Organisation mit.

Bisher unterstützten Kunden den Streik der Apotheker, sagt Harris. Zwar sorgten die Streiks für Unannehmlichkeiten, doch den Patienten scheine klar zu sein, dass die Apotheker für ihre langfristig gute medizinische Versorgung streikten. In Australien sind die meisten Apotheken inhabergeführt; viele gehören einer Kooperation der drei führenden Großhändler an. Im Süden des Landes gibt es außerdem Kooperativen, bei denen die Kunden als Mitglieder die Eigentümer sind.

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