20 Minuten zur nächsten Apotheke

Rezept-Terminal: Apotheke trifft Sanitärbedarf

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Berlin -

Jeber-Bergfrieden ist eine kleine Ortschaft in Sachsen-Anhalt. Seit Dezember gibt es dort keine Arztpraxis mehr und die medizinische Versorgung ist ein Stück schwieriger geworden. Für Arzneimittelbestellungen stellten die Inhaber der Paracelsus-Apotheke in Dessau-Roßlau vor einem Sanitärbedarf ein Bestellterminal auf – und der Handwerker vor Ort packt mit an.

Seit Dezember steht in Jeber-Bergfrieden bei einem Sanitärbetrieb ein E-Rezept-Terminal. „Die Hausarztpraxis gibt es nicht mehr und die Rezeptsammelstelle ist entsprechend nutzlos“, sagt Martin Roschig, Mitinhaber der Paracelus-Apotheke. Gemeinsam mit seinem OHG-Partner Tom Dupke habe er entschieden, nicht zuschauen, sondern handeln zu wollen. Denn in dem Ortsteil von Coswig „gibt es sonst nicht viel“. Die Zahl der Einwohner liegt unter 600.

Moderne Möglichkeit für Mini-Ort

Mit dem neuen Bestellautomaten werde „eine moderne Möglichkeit“ geschaffen, die Arzneimittelversorgung im Ort und der umliegenden Region zu sichern. An dem Standort gehe es darum, dass die Wege zur nächsten Apotheke sonst bis zu 20 Kilometer lang seien könnten. Für berufstätige Autofahrer seien die Strecken zur Apotheke in den Alltag integrierbar. Doch für die älteren Kundinnen und Kunden sei „jeder Weg zu lang“.

Richtig den Betrieb nahm das Gerät Anfang Januar auf. Die ersten Bestellungen sind bereits eingegangen. „Es sind mehr, als wir gedacht haben“, sagt Roschig. „Wir Apotheken vor Ort bringen vor dem Gesetzgeber regelmäßig vor, dass wir flächendeckend beliefern wollen, da müssen wir an manchen Stellen einen Service oder Leistungen anbieten, die nicht gleich kostendeckend sind.“

Foto: Ein E-Rezept-Bestellterminal in einem Edeka.
Kurz darauf folgte die zweite Bestellmöglichkeit in einem Edeka in Zerbst – dort geht es frequentierter zu.Foto: Paracelsus-Apotheke Dessau-Roßlau

Um das „Experiment“ durchzuführen, nahm Roschig eine nicht mehr brauchbare Stele seines Automatenanbieters Gollmann und ließ von Bader IT die Software für die Kartenlesung und Datenweitergabe der Rezepte an die Apotheke installieren. „Die digitalen Einlösewege sind eine Herausforderung und die Terminal-Lösung funktioniert super“, lobt er das Ergebnis. Ein weiterer wichtiger Partner sei der Handwerker Frank Hörnicke, der die Stele wochentags von 7 bis 15 Uhr nach draußen stellt und sie am Nachmittag wieder einschließt.

Zwei Terminals, vier Apotheken

Für die Kundschaft läuft zur Erklärung der Technik ein Video. Geliefert wird auf Wunsch nach Hause. „Dieses Projekt ist ein Pilotversuch, aber vor allem ist es ein Zeichen dafür, dass auch kleine Orte innovative und verlässliche Lösungen verdienen. Wir wollen, dass die Menschen auch hier ihre Medikamente bekommen.“ Ein weiteres Experiment läuft seit wenigen Tagen in Zerbst. Dort steht in einem Edeka-Markt ein weiteres Terminal von Roschig und seinem Partner. Die beiden betreiben zusammen vier Apotheken.

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