Am Morgen ging in vielen Apotheken nichts – schon wieder. Wie zu Beginn der Woche waren es die SMC-B und HBA des Anbieters D-Trust, die keine Verbindung zur Telematikinfrastruktur (TI) zuließen. Mehrere Anbieter haben für solche Fälle bereits Lösungen entwickelt: Sie erlauben ein Auslesen und Zwischenparken der E-Rezepte.
Ein Produkt, mit dem sich E-Rezepte auslesen lassen, ist Rx Point – dahinter steht das noch recht unbekannte Unternehmen Akami aus Wittenberg. Geschäftsführer ist Matthias Buse, der 2001 die Versandapotheke Mycare mitgegründet hatte. Mit den Geräten lassen sich per elektronischer Gesundheitskarte (eGK) die E-Rezepte auslesen, berichtet ein Apotheker. „Wir behelfen uns mit den Rx-Point-Geräten. Hier sehen wir wenigstens, was auf den Karten steht.“
Die Lösung ist unter anderem eigentlich für den Pflegebereich gedacht. So schreibt Akami zum Produkt: „Unser Terminal ermöglicht die sofortige Autorisierung von E-Rezepten (gesetzlich versicherter Patienten) – direkt über die eGK. Der Rezeptcode (Token) wird automatisch an die hinterlegte KIM-Adresse übermittelt – also direkt an die Apotheke, mit der die Einrichtung (zum Beispiel ein Pflegeheim) zusammenarbeitet. Ohne Umwege. Ohne Papier. Ohne Zeitverlust.“
Im Rahmen der vergangenen E-Rezept-Ausfälle haben sich in den vergangenen Jahren aber auch andere Workarounds etabliert, vor allem via CardLink. Das Verfahren, das ursprünglich den Versendern den E-Rezept-Zugang liefern sollte, stellt damit auch für die Vor-Ort-Apotheken eine Rettung in solchen Ausfallsituationen dar.
Beispielsweise bei Gesund.de oder IhreApotheken.de kann man per App die Rezepte via eGK anzeigen und dann via CardLink in der Apotheke reservieren lassen. Der Vorgang kann dann zunächst analog weitergeführt werden. Der Patient muss die Bestellung aber auch wirklich auslösen: „Über das Cockpit bekommt die Apotheke eine Information, dass ein Patient ein E-Rezept über Gesund.de übermittelt hat. Dies funktioniert störungsfrei“, erklärt Geschäftsführer Dr. Peter Schreiner.
„Zur abschließenden Bearbeitung in der Warenwirtschaft muss jedoch zunächst die Störung der TI behoben werden. Auf jeden Fall gehen aber die E-Rezept-Vorbestellungen auf diesem Weg nicht verloren und können abgearbeitet werden, sobald die TI beziehungsweise die Gematik die Entstörung geleistet hat.“
Auch Red Medical bietet eine Fallback-Lösung, bei der dann bei einem Ausfall auf ein Ersatzsystem ausgewichen werden kann. Mit dem vom Unternehmen entwickelten E-Rezept-Ausfallschutz „RED telematik safe“ wird eine webbasierte E-Rezept-Software genutzt, mit separatem und komplett redundantem TI-Anschluss. So sei das System jederzeit sofort einsatzbereit, falls Störungen den regulären E-Rezept-Abruf verhindern, erklärt Geschäftsführer Jochen Brüggemann.
Fällt eine Komponente des regulären TI-Anschlusses der Apotheke aus, kann keine Verbindung mehr zur TI hergestellt werden. Die unabhängig vom eigentlichen TI-Anschluss und der genutzten Warenwirtschaft funktionierende Lösung von Red Medical will hier nahtlos und sofort einsatzbereit aushelfen, bis die Störung beim eigentlichen System behoben werden konnte.
Die dafür bereitgestellte Software könne am dafür eingerichteten Arbeitsplatz einfach über den Webbrowser aufgerufen werden. Die E-Rezepte werden hierüber wie gewohnt abgerufen und während des Ausfalls datenschutzkonform gespeichert, erläutert Brüggemann die Lösung. Mitarbeitende sehen in der webbasierten Software alle bisher bearbeiteten E-Rezepte, inklusive aller Infos wie denen zu Rabattarzneimitteln oder dem Securpharm-Code.
Ist der Ausfall des regulären TI-Anschlusses behoben, könnten die Rezepte einfach wieder aus der Fallback-Software zurück an den TI-Fachdienst gegeben und noch einmal normal bearbeitet werden. Aus den in der Fallback-Lösung gespeicherten Rezeptdaten, die zum Beispiel auch ausgedruckt werden können, werden dann vom Bildschirm oder dem Ausdruck die beiden Barcodes für E-Rezept und Securpharm abgescannt, wodurch das E-Rezept auch regulär in das eigene Warenwirtschaftssystem übertragen wird.
Auch Ixos.Routing von Pharmatechnik kann beim Ausfall helfen. Die Lösung soll bei Ausfall oder Defekt des eigenen Konnektors die Verbindung zu einem Konnektor einer autorisierten oder zum Beispiel im Verbund angeschlossenen Ixos-Apotheke nutzen, um den TI-Zugang zu erhalten.
Der Konnektor der anderen Apotheke übernimmt dabei lediglich das Abholen des E-Rezeptes vom Gematik-Server. Das Quittieren, die QES und die Abrechnung werden dann, wenn die SMC-B-Karte der Apotheke wieder funktioniert, nachgeholt, heißt es von Pharmatechnik. In einem Fall wie aktuell, bei dem deutschlandweit die Mehrzahl der Apotheken betroffen ist, könnte die Lösung jedoch nicht die gewünschte Rettung bringen.
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