PoC- und Selbsttests

RKI: Warum engmaschiges Testen so wichtig ist

, Uhr
Berlin -

Das Robert Koch-Institut (RKI) geht im aktuellen epidemiologischen Bulletin auf die Chancen und Grenzen von Antigentests ein. Die Point-of-Care-Tests (PoC) werden mit den Selbsttests verglichen. Im Fokus steht die Bedeutung des engmaschigen Testens. Nur so könnten Infektionsketten zuverlässig zu durchbrochen werden. Eine Kommunikationshilfe für die Beratung zum Download gibt es hier.

„Die breitere Anwendung von Antigentests zum Auf- finden einer akuten Infektion mit SARS-CoV-2 beinhaltet Chancen, aber auch Risiken und Limitationen“, heißt es im aktuellen epidemiologischen Bulletin des RKI. Dabei werden Antigentests in Point-of-Care-Tests (PoC) und Laien- oder Selbstests unterteilt. Die PoC-Tests werden dabei von geschultem Personal durchgeführt. Eine anschließende Ausstellung eines Testergebnisses, um beispielsweise einen Friseur-Termin wahrzunehmen, ist möglich. Laientests reichen als „Eintrittskarte“ für solche Termine zumeist nicht aus, auch wenn es hier mittlerweile Ausnahmen gibt (Laientests unter Aufsicht).

Mit Hilfe von Schnelltests den R-Wert senken

Das RKI erläutert, wie regelmäßige Testungen zu sinkenden Infektionszahlen beitragen können. Als Beispiel wird ein aktueller R-Wert von 1,1 genommen. Das bedeutet, dass 100 Menschen im Schnitt 110 Menschen anstecken – die Infektionszahlen steigen. Durch die Anwendung von Schnelltests könnten unentdeckte Infektionen erkannt werden. Beispielhaft wird angenommen, dass von den 100 Infizierten 27 durch die Anwendung von Schnelltests von ihrer symptomlosen Infektion erfahren. Durch die dann folgende Isolation im heimischen Bereich können weitere Ansteckungen vermieden werden – der R-Wert fällt auf 0,8. Nur wenn der Wert unter 1 ist wird die Pandemie eingedämmt. Denn bei einem R-Wert von 0,8 stecken 100 Menschen nur noch 80 weitere Personen an.

Laut Zweiter Verordnung zur Änderung der Sars-CoV-2-Arbeitsschutzverordnung müssen Arbeitgeber:innen ihren Angestellten ein- bis zweimal pro Woche ein Testangebot machen. Hiervon ausgenommen sind Arbeitnehmer:innen die ausschließlich von zu Hause aus arbeiten. Laut Auswertungen des RKI wird dieses Angebot jedoch noch zu wenig in Anspruch genommen: „Noch wird diese Möglichkeit eher wenig genutzt, wie Daten von Ende April 2021 (N = 997) zeigen: 56 Prozent der Teilnehmerinnen und Teilnehmer gaben an, schon einmal einen PoC Antigen-Schnell- oder Selbsttest gemacht zu haben. Dieser Anteil war seit Mitte Dezember 2020 stetig gestiegen. Etwa 65 Prozent der Beschäftigten wurden am Arbeitsplatz schon einmal ein Testangebot gemacht. Von dieser Gruppe nahmen wiederum etwa 60 Prozent regelmäßig Tests in Anspruch.“

Unsicherheit über das richtige Verhalten nach der Testung

Laut RKI besteht Kommunikationsbedarf beim Thema „Verhalten nach der Testung“. In einer Studie konnte gezeigt werden, dass Menschen nach der Ausstellung eines negativen Testergebnisse die AHA-Regeln weniger streng einhalten. „Die Befragten gaben an, sich besonders vor einem Treffen mit Familie oder Freundeskreis testen zu wollen. Hier zeigten frühere Daten, dass bei Treffen mit nahestehenden Personen die Regeln ohnehin weniger streng eingehalten werden. Auch wurde in der Studie gezeigt, dass zwei Drittel der Befragten dachte, dass ein negativer Test bedeutet, dass sie am nächsten Tag niemanden anstecken können.“ Für Angestellte im Testzentrum oder testende Apotheker:innen und PTA sollten diese Befragungsergebnisse den immer noch bestehenden Beratungs- und Erklärungsbedarf im Rahmen der Covid-Testungen aufzeigen.

Die Schnelltestergebnisse bieten keine 100-prozentige Sicherheit. „Gerade in der Frühphase der Infektion können Personen zudem schon ansteckend sein, obwohl der Test noch kein positives Ergebnis zeigt.“ Die Empfindlichkeit der Antigen-Schnelltests sei, nach Beobachtungen aus der Praxis, am ersten oder zweiten Tag nach Symptombeginn am optimalsten. Ebenfalls entscheidend: Die Qualität der Probennahme. „Die Verlässlichkeit von Antigentests steigt, wenn sie seriell, zum Beispiel in einem Abstand von zwei oder drei Tagen eingesetzt werden, oder noch besser an zwei von drei aufeinanderfolgenden Tagen beziehungsweise alle 48 Stunden.“

Wiederholte Testungen für sichere Ergebnisse

„Eine wiederholte Testung derselben Person in kurzen Zeitabständen erhöht die Wahrscheinlichkeit, den Zeitraum zu treffen, in dem Nachweise per Antigentest möglich sind, und kann somit zur Reduzierung des allgemeinen Infektionsgeschehens beitragen.“ Das RKI trifft keine Aussage über ein optimales Testintervall. Grafisch dargestellt wird ein Szenario einer zweimal wöchentlichen Testung über zwei Wochen. Je häufiger getestet wird, desto mehr Infektionen werden erkannt und desto mehr unentdeckte Infizierte können isoliert werden. Das RKI verweist darauf, dass auch ein regelmäßiges engmaschiges Screening mit Antigentests keine komplette Verhinderung der Infektionsweitergabe bedeutet. Doch durch die Wahrnehmung der Testangebote kann die Pandemie schneller eingedämmt werden. Der Goldstandard zur Detektion bleibt weiterhin der PCR-Test. Dieses Verfahren gibt über einen längeren Zeitraum korrekte Ergebnisse an, denn PCR-Tests können eine Infektion sowohl früher als auch länger nachweisen.

 

Newsletter
Das Wichtigste des Tages direkt in Ihr Postfach. Kostenlos!

Hinweis zum Newsletter & Datenschutz

Neuere Artikel zum Thema
Mehr aus Ressort
Lauterbach ging in Transparenz-Offensive
RKI-Protokolle: Namen entschwärzt
Arzt fordert weitere Entschwärzungen
Corona-Protokolle: Austausch sollte vertraulich bleiben

APOTHEKE ADHOC Debatte