Aktuell wird das Apothekenversorgungs-Weiterentwicklungsgesetz (ApoVWG) im Bundestag beraten. Der CDU-Abgeordnete Carl-Philipp Sassenrath lud vor Ostern Apothekerinnen und Apotheker aus Neuss, Grevenbroich und Dormagen zu einer Lokalanhörung ein, um sich jenseits der üblichen Verbandsanhörungen im Bundestag ein direktes Bild von der Lage vor Ort zu machen.
„Mit der Lokalanhörung wollte ich den Praxistest vor Ort machen“, erklärt Sassenrath. Neben der Apothekerschaft hatte er für einen Bericht zum Stand auch den parlamentarischen Staatssekretär Dr. Georg Kippels einladen können. Dieser hob in seinem Beitrag die zentrale Rolle der Apotheken für die wohnortnahe und flächendeckende Versorgung der Bevölkerung hervor. Er sprach sich zudem dafür aus, praktikable Lösungen zu finden, die die Apotheken vor Ort stärken und gleichzeitig die Belastungen für die Beitragszahler im Blick behalten.
Die teilnehmenden Apothekerinnen und Apotheker thematisierten im Gespräch insbesondere die angespannte wirtschaftliche Lage vieler Betriebe, wie der Abgeordnete berichtet. Die Zahl der Betriebsstätten gehe seit Jahren zurück, was langfristig die Versorgungssicherheit gefährden könne, warnten sie.
Außerdem hätten die Pharmazeuten von ihrem Berufsalltag berichtet, in dem sie oftmals kostenintensive Maßnahmen umsetzen müssen. Ein Beispiel dafür sei die lückenlose Einhaltung von Kühlketten für temperaturempfindliche Medikamente, auch wenn diese per Bote zu den Kundinnen und Kunden transportiert werden. Anders als bei Versandapotheken sei bei der Zustellung der Medikamente durch eine örtliche Apotheke die Nachverfolgung der Kühlung jederzeit möglich.
Für eine Verbesserung der wirtschaftlichen Situation sei die im Koalitionsvertrag angekündigte Erhöhung des Fixums von 8,35 Euro auf 9,50 Euro unverzichtbar. Dieses sei seit 13 Jahren nicht angehoben worden und entscheidend für die Kostendeckung bei Miete, Personal oder Energie.
Entscheidend sei, was den Patienten helfe. Und diese schätzten ihre Apotheken vor Ort, ob im Notdienst, bei akuten Beschwerden oder für die individuelle Beratung. „Ich werde mich dafür einsetzen, dass der Grundkostenbeitrag, das sogenannte Fixum, angehoben wird. Das ist für den Erhalt der Apotheken und die Planungssicherheit notwendig“, versprach Sassenrath. „Ein guter Fortschritt im aktuellen Gesetzentwurf ist auch, dass Apotheken mehr Eigenverantwortung erhalten und eine stärkere Rolle beispielsweise bei der Prävention spielen sollen.“
Neben den Abgeordneten nahm auch die Neusser Parteikollegin Dr. Samina Rasch, selbst niedergelassene Ärztin, an dem Austausch teil. Auch sie habe die große Bedeutung der örtlichen Apothekerinnen und Apotheker betont, wenn es um ihre Patientinnen und Patienten gehe. Rasch habe zudem die Bildung von Netzwerken angeregt, in denen Ärzte, Apotheker, Physiotherapeuten und Pflegekräfte – gerade auch im Hinblick auf die große Zahl älterer Menschen – eng zusammenarbeiten.
APOTHEKE ADHOC Debatte