PTA-Vetretung, Rx-Abgabe, Impfen

Inhaber: „Das Kompetenz-Korsett gehört aufgeweicht!“

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Berlin -

Warum dürfen Pharmazeutisch-technische Assistenten (PTA) Apotheker:innen nicht einfach vertreten, warum wird die Rx-Abgabe für Approbierte so verkompliziert und warum dürfen Inhaber:innen ihre Öffnungszeiten in einem gewissen Rahmen nicht noch eigenständiger gestalten? Das sind Fragen, die sich Dr. Jozef Dobija, Mitinhaber der Paul Gerhardt Apotheke in Berlin, aktuell stellt.

Die aktuelle Diskussion um bestimmte Rahmenbedingungen in den Apotheken ärgert Dobija. „Warum kann eine PTA uns Apotheker nicht einfach vertreten“, fragt er. „Warum wird dazu ein so enges Korsett erstellt?“ In jedem anderen Bereich würden Kompetenzen doch auch an andere Berufsränge verteilt. Als Beispiel nennt er Notarzteinsätze und Arztpraxen. „Zunächst kommen Sanitäter zum Einsatzort und nicht der Notarzt selbst. In Arztpraxen wird der Patient auch nicht vom Chefarzt persönlich geimpft“, stellt er klar.

Rx-Abgabe realitätsfern

„Aber in Apotheken scheint es unmöglich, dass einer PTA so viel Kompetenz zugetraut wird, dass sie einen Approbierten ordnungsgemäß vertreten kann“, so Dobija. „Das soll nur auf dem Land und unter bestimmten Bedingungen möglich sein. Für mich ist das Unsinn“, so der Inhaber. Auch in der Freigabe von bestimmten Rx-Präparaten sieht er viel Verbesserungspotenzial. „Es ist an der Realität vorbei, die Pille danach freizugeben. Es gibt ganz andere Dinge im Alltag, die wir abgeben können müssten.“

Regelung in der Schweiz

In anderen Ländern sei dies schließlich auch an der Tagesordnung. „Wenn man sich beispielsweise die Schweiz anschaut. Dort dürfen Apotheker seit einiger Zeit bestimmte verschreibungspflichtige Medikamente ohne ärztliches Rezept in eigener Verantwortung abgeben, um die Versorgung zu verbessern. Dieser Schritt wäre für Deutschland ebenfalls nötig“, so Dobija.

Sklaven des Systems

Er ist zudem der Auffassung, statt ständig mehr Geld von der Politik zu fordern, sollten Inhaber:innen mehr anbieten können. „Ich bin für eine Aufweichung des Kompetenz-Korsetts. Uns Apothekern muss mehr Freiheit eingeräumt werden, mehr Entscheidungsgewalt, so dass wir mehr Leistung bringen können und dann entsprechend dafür entlohnt werden. Aktuell sind wir nur Sklaven des Systems“, stellt er klar. Das müsse viel entspannter werden.

Pille neben Seife

„Leider ist meines Erachtens die Politik auf dem Holzweg. Denn dm und andere Anbieter sind längst auf dem Vormarsch und werden wohl demnächst die Pillenpackung neben die Seife im Sortiment legen“, so Dobija. Das gelte es zu verhindern. „Dafür sind aber andere Maßnahmen und andere Ansichten nötig als es derzeit der Fall ist.“

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