Teilnahme, ja oder nein?

Apothekenprotest: „Die Motivation ist (nicht) da!“

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Berlin -

Am Montag, den 23. März, findet ein bundesweiter Apotheken-Protesttag statt. Möglichst viele Betriebe sollen geschlossen bleiben und die Versorgung nur durch die Notdienstapotheken gewährleistet werden. Im Kampf gegen das Apothekensterben sind die Meinungen jedoch gespalten. Etliche Inhaber:innen wollen sich beteiligen, aber einige sehen nicht mehr viel Sinn in der Aktion und weigern sich, die Offizinen zu schließen. Ein Überblick.

Dass die Apotheken am 23. März bundesweit zum Protest aufgerufen werden, wurde kürzlich auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung der Abda beschlossen. Dazu soll es an diesem Tag in Berlin, Hannover, München und Düsseldorf zentrale Kundgebungen beziehungsweise Demonstrationen geben, die durch die Landesapothekerverbände organisiert werden.

Viele sind entschlossen

Doch wie sieht es überhaupt mit der Motivation der Inhaberinnen und Inhaber aus? Im Taunuskreis ist man sich relativ einig, wie Cordula Eichhorn, Inhaberin der Rathaus-Apotheke in Eppstein bestätigt. „Wir nehmen definitv teil und werden nach Düsseldorf zur Kundgebung fahren.“ Sie habe bereits im Umfeld abgeklopft, wer teilnimmt. „Eigentlich haben alle zugesagt, bis auf eine Apotheke, die sich auch an dem vergangenen Protest schon nicht mehr beteiligt hat“, bedauert sie. Der Grund: „Sie wollen die Kosten für diesen Tag nicht tragen. Dabei verlieren wir doch alle Geld, wenn wir am Montag zumachen“, so Eichhorn. Die Inhaberin selbst wollte sich auf Anfrage dazu nicht äußern.

Eichhorn findet die Teilnahme am Protest jedoch sehr wichtig. „Wir müssen geschlossen daran teilnehmen. Wir hier im Taunuskreis stehen fest zusammen und machen mit“, bekräftigt sie. „Mein Team wird auch mitkommen, auch die Mitarbeitenden, die an dem Tag eigentlich keinen Dienst haben“, so Eichhorn. „Wir überlegen schon, welche Plakate wir mitnehmen und wie wir uns verkleiden.“ Sie bedauert, dass eine enge Kollegin aus einer anderen Apotheke nicht mit nach Düsseldorf fahren könne. „Sie hat leider Notdienst und diesen wollte auch niemand übernehmen“, erklärt sie.

Schließung trotz Urlaub

Susanne Bormann, Inhaberin der Apotheke im Nordharz-Center in Blankenburg, nimmt mit ihrer Apotheke ebenfalls am Protesttag teil. In genau dieser Woche habe sie jedoch Urlaub. „In den acht Jahren nach der Gründung der Apotheke gab es für mich noch nie zwei Wochen am Stück Urlaub“, erklärt sie. „Mir ist die Zeit mit meiner Familie aber wichtig“, betont sie. „Da wir in Bayern Urlaub machen, habe ich erst überlegt, nach München zu fahren und am Protest dort teilzunehmen. Aber ich denke, jetzt geht die Familie vor, da sie oft genug hinten ansteht“, so Bormann. „Aber wir schließen am 23. März und zeigen damit, wie wichtig die Apotheken vor Ort sind.“

Noch nicht entschieden

Eine Inhaberin aus Baden-Württemberg ist ganz anderer Meinung. „Ich überlege tatsächlich noch, ob ich mich am Protest beteilige.“ Es sei in ihren Augen nur eine halbe Sache: „Die Apotheken, die sich in Einkaufszentren oder an Hauptbahnhöfen befinden, dürfen ohnehin nicht schließen“, bemängelt sie. Sie fordert eher eine richtige Protestwelle. „Das hieße, wir machen drei oder vier Tage die Apotheke zu und machen vor allem keinen Notdienst“, schlägt sie vor. Denn genau darum gehe es doch: „Wenn wir schließen, aber die Nachbarapotheke hat geöffnet, weil sie Notdienst hat, was macht das für einen Sinn?“

„Macht so keinen Sinn“

Sie sehe nicht ein, warum sie an einem Protesttag mehrere Tausend Euro Umsatzverlust hinnehmen solle. „Diese Proteste haben gar keinen Sinn. Im Gegenteil, es scheint mir so geplant, dass diese Aktionen stattfinden, damit wir Apotheken den Mund halten.“ Zudem fehle es an einer breiten Aufmerksamkeit, sagt sie. „Wenn wir länger zumachen würden und ebenso keine Notdienste anbieten, dann würde eventuell klarwerden, dass es ohne Apotheken nicht funktioniert. Mit den angesagten Protesten, wird es darauf hinauslaufen, dass die Menschen einfach weiterfahren zur nächsten Notdienstapotheke.“

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