Unfaire Arbeitspreise

Zyto-Herstellung: DAV kündigt Hilfstaxe

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Berlin -

Der DAV hat die Hilfstaxe zum 31. März gekündigt. Das Ziel: Faire Arbeitspreise für die Herstellung von Spezialrezepturen zur parenteralen Anwendung. Damit ist der Weg frei für ein sozialrechtlich definiertes Schiedsverfahren.

Der DAV begründet die Kündigung der Hilfstaxe, weil der GKV-Spitzenverband keine Bereitschaft zur Anpassung der Arbeitspreise gezeigt hatte und die Verhandlungen somit gescheitert waren. „Apotheken können für das Anfertigen von Spezialrezepturen einen angemessenen Arbeitspreis von den Krankenkassen verlangen“, sagt der DAV-Vorsitzender Dr. Hans-Peter Hubmann. „Das hat das Landessozialgericht Berlin-Brandenburg im August 2025 in einem richtungsweisenden Urteil bestätigt.“

Das LSG hatte den Schiedsspruch zum Arbeitspreis bei Zytostatika-Zubereitungen und Lösungen mit monoklonalen Antikörpern und Folinaten bestätigt. Die Preisregelung in der Arzneimittelpreisverordnung sei nur eine Auffangregelung und stelle keine Preisobergrenze dar. Dies bestätigte das LSG. Gemessen am tatsächlichen Herstellungsaufwand sind die bestätigten 100 Euro pro Herstellung nicht auskömmlich.

Das Herstellen von Spezialrezepturen in den Apotheken erfordere viel Zeit und Personal. Nun sei die Schiedsstelle aufgefordert, ihren Spielraum bei der Neufestlegung der künftigen Arbeitspreise für Spezialrezepturen zu nutzen.

In Deutschland gibt es etwa 300 Apotheken mit einem speziellen Reinraumlabor, die parenterale Spezialrezepturen herstellen können. Dazu gehören 1,9 Millionen Zytostatika-Zubereitungen und 1,8 Millionen parenterale Lösungen pro Jahr. Der Gesamtumsatz in den Apotheken beträgt mehr als 6 Milliarden Euro (Stand: jeweils 2024).

Der Schiedsspruch vom 14. Oktober 2022 hatte einen einheitlichen Arbeitspreis von 100 Euro für die Herstellung von Zytostatika- Zubereitungen, Zubereitungen mit monoklonalen Antikörpern sowie Calcium- und Natriumfolinat-Lösungen festgelegt. Dagegen hatte der GKV-Spitzenverband am 5. Dezember 2022 Klage erhoben. Seitdem rechnen die Apotheken Spezialrezepturen, die hauptsächlich in der Krebstherapie eingesetzt werden, mit einem Arbeitspreis von je 100 Euro (netto) ab. „Wegen der Kostensteigerungen sind die Arbeitspreise der Spezialrezepturen unter den aktuellen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen nicht mehr auskömmlich“, so der DAV.

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