Warenwirtschaft

Die Zukunft der Lochkarte

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Berlin -

Mit der Umstellung auf die achtstellige PZN sahen viele das Ende der Lochkarte gekommen. Doch die Alternative zum Strichcode-Scan hält sich hartnäckig in Apotheken. „Totgesagte leben länger“, freut sich Andreas Reike, Geschäftsführer bei Aitronic und zuständig für die Software-Entwicklung. Das Paderborner Unternehmen stellt die Lesegeräte für die Lochkarten seit den 80er Jahren her und hat sie für die achtstellige PZN umgerüstet.

Schätzungen zufolge nutzen noch 2000 bis 3000 Apotheken in Deutschland Lochkarten. Auf den Karten befinden sich sieben kleine Transportlöcher, die früher nötig waren, um die Karten lesen zu können. Normalerweise müsste es diese Transportlöcher in gleicher Anzahl wie Löcher für die PZN geben, damit das Lesegerät „weiß“, an welcher Stelle es einen Wert zu erwarten hat.

Zwar können die Locher in den Apotheken bereits heute acht Löcher stanzen, was fehlt, ist das achte Transportloch: Das Meckenheimer Unternehmen Fahrenberg produziert nach wie vor Karten mit sieben Transportlöchern.

Früher sei es nicht möglich gewesen, ohne ein entsprechendes Transportloch ein zusätzliches Loch für die achte Stelle der PZN hinzuzufügen, erklärt Reike. Die Karten wurden mechanisch oder über Licht gelesen, das kleinere Loch war die Referenz. Inzwischen könnten die Rechner sich das achte Transportloch aber „hinzudenken“, so Reike. Daher könnten auch achtstellige PZN dargestellt werden, Die Transportlöcher sind eigentlich gar nicht mehr notwendig.

Es gibt zwei verschiedene Lesegeräte von Aitronic: Das ältere Modell, BC 63, gab es bereits vor 20 Jahren. Es verfügt über keinen USB-Anschluss und lässt sich nicht aktualisieren. Anders das neuere Modell ACR 320. Seit einem Jahr können alle Neugeräte, die ausgeliefert werden, die gestanzte achtstellige PZN lesen und verarbeiten. Ältere Geräte können Apotheker einschicken, dann wird die entsprechende Software aufgespielt. Ein neues Lesegerät kostet laut Reike rund 260 Euro.

Das neue Programm erlaubt es den Apothekern, eigene Einstellungen an dem Lesegerät vorzunehmen und es so auf die verwendete Bestellsoftware abzustimmen. So kann beispielsweise angegeben werden, ob achtstellige PZN überhaupt akzeptiert werden oder ob beim Einlesen von siebenstelligen Karten automatisch eine achtstellige PZN ausgegeben wird. Manche Computersysteme könnten damit nicht umgehen, erklärt Reike. Daher könne die Umwandlung auch ausgeschaltet werden.

Über das Programm kann auch festgelegt werden, dass den eingelesenen PZN ein bestimmtes Prefix oder Suffix hinzugefügt wird – falls die Bestellsoftware dies verlange. Die Geräte können konfiguriert werden, indem der entsprechende Schalter auf der Unterseite des Geräts – etwa mit einer Büroklammer – einmal gedrückt wird. So gelangt man in das Konfigurationsmenü. Detaillierte Anleitungen bietet der Hersteller auf seiner Website.

Bei den Rechenzentren und Softwarehäusern ist die Lochkarte nach Reikes Erfahrung nicht sonderlich beliebt. Sie würden regelmäßig für das Strichcode-System werben. Viele Apotheker seien allerdings konservativ und wollten an den Lochkarten festhalten. „Von Apothekern höre ich immer, dass man mit den Lochkarten besser im Gefühl hat, was nachzubestellen ist“, so Reike.

Bei Fahrenberger geht man nicht davon aus, dass die Lochkarten noch für die Bestellung genutzt werden. Die fertigen Lochkarten für das Warenlager bietet das Unternehmen seit der Umstellung auf die achtstellige PZN nicht mehr an. Allerdings gibt es nach wie vor Blanko-Karten, Locher und anderes Zubehör. Einem Sprecher zufolge werden die Karte aber vor allem für die Lagerorganisation eingesetzt, um im Generalalphabet schneller zu sehen, was im Fach liegt.

Ein Satz Blanko-Lochkarten, bestehend aus 800 Stück, kostet bei Fahrenberger rund 33 Euro netto. 125 Kartentaschen für die Anbringung am Generalalphabet liegen bei 18,50 Euro. Und wer die Karten für die Bestellung benutzen möchte, erhält für 655 Euro den passenden Locher.

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