APOTHEKE ADHOC Umfrage

Mutter und Inhaberin: Das Umfeld ist entscheidend

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Berlin -

Mutter und Apothekeninhaberin – beides zu vereinen ist anspruchsvoll. Ob der Spagat klappt, hängt von vielen Faktoren ab. Die Mehrheit der Leserinnen und Leser von APOTHEKE ADOC ist der Meinung, das Umfeld sei der Schlüssel.

74 Prozent der Befragten glauben generell, dass das Zusammenspiel von Kind und Karriere gelingen kann. 30 Prozent halten das zwar für „schwierig, aber machbar, wenn der Partner einspringt“. 44 Prozent antworteten, der Erfolg hänge „vom Umfeld im Einzelfall ab“. 4 weitere Prozent finden es „heute viel leichter, bei den verbesserten Betreuungsangeboten“.

8 Prozent sehen schwarz für die Vereinbarung von Beruf und Familie: Inhaberin und Mutter funktioniere nicht, man müsse sich entscheiden, meinen sie. 15 Prozent sind überzeugt: „Klar geht das, andere Berufsgruppen haben es viel schwerer“. Am 26. und 27. Oktober nahmen 199 Leserinnen und Leser von APOTHEKE ADHOC an der Umfrage teil.

Die Frauenquote in den öffentlichen Apotheken ist überdurchschnittlich hoch: Fast 90 Prozent der Beschäftigten sind weiblich. Der familienfreundliche Ruf gilt nicht unbedingt für Inhaberinnen: Zwischen Nacht- und Notdiensten die Kinder ins Bett zu bringen, ist keine Kleinigkeit. Gegenüber APOTHEKE ADHOC hatte Apothekerin Ann-Kathrin Kossendey-Koch, Inhaberin von Kossendeys Gesundheitshaus im niedersächsischen Wiefelstede und dreifache Mutter, berichtet, wie sie die Mehrfachbelastung gemeinsam mit ihrer Familie stemmt.

In der Apotheke zu arbeiten und eine Familie zu haben, sei an sich gut vereinbar, meint Kossendey. Es böten sich Möglichkeiten für Teilzeitarbeit oder einen Wiedereinstieg in den Beruf nach einer Auszeit. Insbesondere die Apothekenleiterinnen hätten Verständnis, wenn Angestellte wegen eines kranken Kindes einmal ausfallen, so die Apothekerin. Auch die Selbstständigkeit mit Kindern sei machbar – dafür benötige man allerdings genug Personal und eine Familie, die ihre Unterstützung einbringt.

Die Mutter von drei Mädchen hat die Apotheke und das angeschlossene Gesundheitshaus vor etwa zehn Jahren von ihren Eltern übernommen. Die Anwesenheitspflicht sei eine Herausforderung, erklärt Kossendey. Die Wohnsituation erlaube ihr zwar eine flexible Handhabung, es gebe aber auch Kolleginnen, deren krankes Kind im Nachtdienstzimmer schlafen müsse. „Wenn eine weitere Approbierte in der Apotheke arbeitet, ist natürlich alles deutlich leichter“, so Kossendey.

In der Standesvertretung fänden die Interessen selbstständiger Mütter überhaupt keinen Platz, kritisiert Kossendey. Aus ihrer Sicht liegt das vor allem daran, dass dort überwiegend Männer sitzen, auf deren Radar das Problem gar nicht auftaucht. Mit Kindern sei das Engagement in der Standespolitik nicht mehr so gut möglich, bedauert die Apothekerin. Dass man als Mutter keine Zeit dafür habe, könnte ein Grund sein, weshalb die standespolitischen Ämter vorrangig Männer übernehmen.

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